Amalgam - Zeitbombe oder Panikmache?

Amalgam - Zeitbombe oder Panikmache?

Anfang der 90er Jahre setzte eine breite Diskussion über den Zahnfüllstoff Amalgam ein, der für eine Fülle von Krankheitsbildern verantwortlich gemacht wurde. Mit der Diskussion werden vor allem Schmerzpatienten stark verunsichert. Die sowohl Pro- als auch Kontra-Argumente sind häufig sehr emotional und teilweise wissenschaftlich absolut unbegründet, was letztendlich zu einer Entgleisung der Diskussion geführt hat, die erst in den vergangenen Jahren etwas abgeschwächt ist. In diesem Artikel möchten wir die Frage um das Für und Wider in Sachen Amalgamfüllung auf seriöse Weise und einfach verständlich erörtern.

Was ist Amalgam? Ist es gefährlich?

Das fertige Gemisch besteht bis ca. 50 Prozent aus metallischem Quecksilber, zudem aus Kupfer, Silber und Zinn. Es können auch Spuren von Zink enthalten sein. Diese Stoffe wären an sich giftig für den menschlichen Organismus. Allerdings wird die chemische Mischung der Elemente zu einer derart stabilen und widerstandsfähigen Verbindung, dass die winzige Menge Quecksilber, die der Körper daraus aufnimmt, weit unter dem Grenzwert liegt, der negative Auswirkungen auf die Gesundheit haben kann.

Wie sieht es mit Allergien aus?

Komplikationen und Nebenwirkungen sind extrem selten. Weltweit wurden bis dato etwa 100 Fälle von Amalgamallergien dokumentiert, wobei es wahrscheinlich etwas mehr gibt. Eine Allergie kann bereits vor dem Einsetzen einer Füllung vom Hautarzt festgestellt werden. Wenn dieser eine Amalgamunverträglichkeit oder Niereninsuffizienz feststellen kann, ist die BKK verpflichtet, die Kosten für eine alternative Füllung zu übernehmen (in der Regel Kunststoff).

Manche Menschen reagieren auf eine Amalgamfüllung etwas empfindlicher als andere. Allerdings beschränkt sich dies auf einen metallischen Geschmack in der Zeit kurz nachdem eine Füllung gelegt oder entfernt wurde.

Welcher Zahnarzt weiß Bescheid?

Fragen Sie Ihren Zahnarzt, wie er zu Amalgam steht. Enthält seine Meinung Pro und Kontra, sind Sie bei ihm gut aufgehoben. Sollte er allerdings eine einseitige Einstellung zu dem Thema haben und Sie möglicherweise zu einer Totalsanierung drängen, ohne dass ein entsprechender Allergietest durchgeführt wurde, ist Vorsicht angebracht. Noch vorsichtiger sollten Sie sein, wenn er in Amalgam die Ursache für Krankheiten wie Epilepsie oder multiple Sklerose sieht.

Ist eine „Sanierung“ sicher?

Wie bei allen Füllstoffen kommt es bei Amalgam auf eine gute Wasserkühlung und sorgfältiges Absaugen an, um etwaiges Verschlucken von Amalgamstückchen zu vermeiden, auch wenn dies für den Organismus keine Folgen hätte, da der Magen-Darm-Trakt die Quecksilberbestandteile nicht aufnehmen kann. Was zusätzlich empfehlenswert ist, wenn man auf Nummer sicher gehen will, ist die Verwendung eines sogenannten Kofferdams. Dies ist ein Latex- oder Gummituch, mit dem der komplette Mundraum bis auf den zu bearbeitenden Zahn ausgekleidet wird.

Eine anschließende Entgiftung ist nicht erforderlich, da die Entgiftungsmittel selbst Nebenwirkungen haben. Sie erreichen nur ein Entleeren der Quecksilberdepots im Körper, die auch alleine vonstatten ginge, wenn auch etwas langsamer. Eine Entgiftung wird nur in Ausnahmefällen von der Krankenkasse bezahlt.

Wie sehen die Alternativen aus?

Bei kleineren Füllungen eignet sich Kunststoff, bei mittleren bis großen Inlays, Teilkronen und Kronen Gold, Keramik und Kunststoff beziehungsweise Kombinationen aus diesen Werkstoffen. Der große Nachteil aller Amalgamalternativen ist derzeit der hohe Preis und die Fehleranfälligkeit, die höher ist als bei Amalgamfüllungen. Nach gesetzlicher Regelung dürfen Krankenkassen nur den Anteil einer Amalgamsanierung zahlen. Der oftmals hohe Restbetrag bleibt somit dem Patienten.

Unser Fazit:

Sollten Sie bereits eine Amalgamfüllung besitzen, verfallen Sie bitte keineswegs in Panik und behalten Sie Ihre Füllung so lange es geht. Amalgam gehört bislang noch immer zu den qualitativ besten Füllungen und ist kaum fehleranfällig. Das Entfernen einer Amalgamfüllung kann durch Hitze und Bohren mehr Quecksilberpartikel freisetzen, als durch jahrelanges Tragen jemals abgegeben werden könnte. Steht ihnen das Einsetzen einer Füllung noch bevor, so machen Sie unbedingt einen Amalgamallergietest bei Ihrem Hautarzt, um Empfindlichkeitsreaktionen schon vorher zu vermeiden und um abzuklären, ob wir die Kosten für eine Alternativbehandlung übernehmen dürfen. Über das Für und Wider kann Ihnen Ihr Zahnarzt ausführlich Auskunft geben.