Diabetes und Depressionen

Depressionen kommen bei Diabetikern doppelt so häufig vor wie bei gesunden Menschen. Grund dafür sind unter anderem Schädigungen der Blutgefäße (Arteriosklerose). Als Ursache vermuten Wissenschaftler das Fehlen des „Glückshormons“ Serotonin*.

Blutplättchen als Auslöser

Depressionen stellen einen Risikofaktor für die Entwicklung der Arteriosklerose dar. Die sogenannte Arterienverkalkung entsteht durch eine übermäßige Aktivierung der Blutgerinnung, insbesondere der Blutplättchen, wodurch es zur Verstopfung von Gefäßen kommen kann. „Wir vermuten, dass ein Zusammenhang zwischen dem Verhalten von Blutplättchen und der Regulierung des Hormons Serotonin besteht“, erläutert Prof. Herpertz, Chefarzt für Psychosomatische Medizin am Uniklinikum Bochum. Vieles spricht dafür, dass ein Serotoninmangel zur Entstehung der Depression beiträgt, so führt eine Steigerung des Serotoninspiegels häufig zur Linderung.

Faktoren der Depression

Als Spätfolge haben Diabetiker nicht selten Gefäßschäden. Zudem sind sie doppelt so häufig wie die Normalbevölkerung von einer depressiven Erkrankung betroffen. Neben der möglichen höheren Aktivierung der Blutplättchen kommen noch weitere Faktoren als mögliche Auslöser der Arteriosklerose hinzu. Depressive Menschen rauchen mehr und ernähren sich ungesünder. Zudem kann das benötigte Insulin bei übergewichtigen Patienten nur schlecht wirken, was zu hohen Blutzuckerwerten führt. Der Gemütszustand depressiver Menschen sorgt zusätzlich dafür, dass sie sich weniger an Behandlungsempfehlungen halten können und damit ihren Gesundheitszustand gefährden.

Diabetes auf dem Vormarsch

In Deutschland leiden ca. fünf Prozent der Bevölkerung unter Diabetes mellitus, das sind vier Millionen Männer und Frauen. In den vergangenen Jahren hat die Zahl der Betroffenen erheblich zugenommen, was unter anderem auf die Altersstruktur der Bevölkerung zurückzuführen ist. Ab dem 40. Lebensjahr ist der Typ-2-Diabetes dabei die häufigste Form der Erkrankung. Die Schädigungen der Blutgefäße (Arteriosklerose) führen zu diabetesbezogenen Begleit- und Folgekrankheiten wie koronare Herzerkrankung oder Diabetikerfuß. Diese Spätschäden sind Grund für die großen Einschränkungen der Lebensqualität, aber auch der Lebenserwartung bei Diabetes mellitus.

Testen Sie Ihr persönliches Risiko

Ihr Arzt kann depressive Symptome im eingehenden Gespräch feststellen. Mittlerweile gibt es auch verschiedene Selbstbeurteilungsfragebögen wie beispielsweise folgenden Kurztest:

Leiden Sie seit mehr als zwei Wochen an

  • gedrückter Stimmung?
  • Verlust an Interesse und/oder Freude bei sonst angenehmen Ereignissen?
  • Schwunglosigkeit und/oder bleierner Müdigkeit und/oder innerer Unruhe?
  • fehlendem Selbstvertrauen und/oder Selbstwertgefühl?
  • verminderter Konzentrationsfähigkeit und/oder starker Grübelneigung?
  • starken Schuldgefühlen und/oder vermehrter Selbstkritik?
  • negativen Zukunftsperspektiven und/oder Hoffnungslosigkeit?
  • hartnäckigen Schlafstörungen?
  • vermindertem Appetit?
  • tiefer Verzweiflung und/oder Todesgedanken?

Wenn Sie vier oder mehr positive Antworten gegeben haben, sollten Sie (wenn möglich, mit einem Ausdruck dieses kleinen Fragebogens) zum Arzt gehen und sich ausführlich beraten lassen.

*Serotonin gilt als Glückshormon und als Botenstoff für die „guten Nachrichten“. Doch es aktiviert nicht nur das Stimmungszentrum und wirkt antidepressiv, sondern hemmt auch Entzündungen, dämpft Schmerzen, steuert das Sättigungsgefühl und regelt den Schlaf-Wach-Rhythmus, in dem es seinen „Gegenspieler“ Melatonin abbaut.