Hormone

Die heimlichen Herrscher in uns

Wir kennen viele beim Namen und ihre Auswirkungen spüren wir täglich, denn sie bestimmen unser Leben: Ob Sex, das Wachstum oder der Schlaf-/Wach­rhythmus – alles wird von den Botenstoffen, die wir allgemein als Hormone bezeichnen, ausgelöst und gesteuert. Der Begriff stammt übrigens aus dem Griechischen und bedeutet „antreiben, erregen“.

Das Schlüssel-Schloss-Prinzip

Oberstes Kontrollorgan über das Hormonsystem ist unser Gehirn. Es reguliert die Aktivität der verschiedenen Hormondrüsen. Diese beeinflussen sich in einem Regelkreis gegen­seitig und sorgen gemeinsam für die fein abgestimmte Funktionsfähig­keit des Körpers. Bereits kleinste Mengen können diese Steuer- und Regelungsfunktion ausüben. Über den Blutkreislauf gelangen die Hormone an ihre Zielzellen, die mit speziellen Rezeptoren ausgestattet sind. Das Hormon und der Rezeptor passen so genau zusammen wie der Schlüssel in sein Schloss. Die Ausschüttung der Hormone wird durch Regelkreise mit der Bildung gegensätzlicher Stoffe kontrolliert: z. B. Insulin – es senkt den Blutzuckerspiegel, während das entgegenwirkende Glukogen ihn erhöht. So zahlreich und komplex die Welt der Hormone ist, so vielseitig können auch die Störungen und die Krankheitsbilder sein, die daraus erwachsen.

Was haben James Bond, die Schilddrüse und Diabetes gemeinsam?

Falls das Schlüssel-Schloss-Prinzip einmal durcheinandergerät, z. B. nach Operationen oder durch die Entfernung von hormonabhängigem Gewebe (Schilddrüse, Prostata), kommt es meist zu gravierenden gesundheitlichen Störungen oder Beeinträchtigungen. Erinnern wir uns an den “Beißer” aus dem James-Bond-Film: Die körperlichen Merkmale des Schauspielers (Riesenwuchs, derbe Gesichtszüge, sehr große Hände und Füße) wurden durch eine hormonelle Störung verursacht, einer seltenen Krankheit, der Akromegalie. Ein gutartiger Tumor an der Hirn­an­hang­drüse führt dazu, dass zu viel Wachstumshormone produziert werden. Andere bekannte und wesentlich weiter verbreitete hormonelle Störungen sind Diabetes und Schilddrüsenüber- bzw. -unterfunktion. In solchen Fällen ist die Gabe von Hormonen nötig, um die Gesundheit wiederherzustellen.

Anders sieht es bei der unfreiwilligen Aufnahme von Hormonrückständen über die Nahrung aus: Hier kann es zu unkalkulierbaren gesundheitlichen Beeinträchtigungen kommen.

Hormone etc. in unserer Nahrung – ein Teufelskreis?

In der EU ist das Verfüttern und das Spritzen von Hormonen in der Tiermast zwar verboten, dennoch kommt es immer wieder zu Verstößen. Beispielsweise kann das zusätzlich verabreichte Rinderhormon BST sogenannte „Supereuter“ mit einer bis zu 20-prozentigen Steigerung der Milcherträge bewirken. Auf der anderen Seite entstehen genau dadurch häufig Euterentzündungen, die wiederum mit Antibiotika behandelt werden müssen. Aber wer möchte schon gerne solche Rückstände in seiner Milch und im Fleisch haben?… Eben!

Unser Hormonsystem

Hormone spielen in der Natur eine wichtige Rolle. Sie kommen in Pflanzen, bei Tieren und beim Menschen vor, steuern Vorgänge im Stoffwechsel und wirken bereits in geringen Mengen.

Aufgrund ihrer chemischen Struk­tur kann man drei hauptsächliche Hormonklassen unterscheiden:

  1. Eiweiße (Proteine und Glykoproteine), z. B. Insulin
  2. Amine und Abkömmlinge von Aminosäuren, z. B. Adrenalin oder die Schilddrüsenhormone T3 und T4
  3. Steroidhormone, z. B. Kortison oder Geschlechts­hormone

Sie werden an verschiedenen Stellen im Körper hergestellt.