Psychische Diagnosen nehmen stetig zu
Sie sind hier: Startseite » Gesundheitstipps » Diagnostik & Behandlung » Psychische Diagnosen nehmen stetig zu
Psychische Diagnosen nehmen stetig zu
Kein Tabu mehr: Infarkt der Seele
Neue Statistiken zeigen: Arbeitnehmer in Deutschland sind wieder häufiger krank. Vor allem seelische Erkrankungen und psychosoziale Probleme nehmen dabei stetig zu. Glaubt man aktuellen Studien, erleidet jeder achte Mann und sogar jede vierte Frau im Laufe ihres Lebens eine Depression. Demnach wären etwa vier Millionen Bundesbürger betroffen. Zum Vergleich: In Deutschland gibt es etwa 1,2 Millionen Demenz-kranke. Gilt Alzheimer mittlerweile als Volkskrankheit, sind Depressionen nicht nur durch den erschüt-ternden Freitod von Fußball-Nationaltorwart Robert Enke langsam aber sicher auf dem Weg zur voll-ständigen gesellschaftlichen Anerkennung.
Depression: ökonomischer Riese
Jede körperliche Diagnose gilt als weniger peinlich als psychiatrische Befunde, weil das Seelische eben noch intimer ist als die Wirbelsäule oder der Magen. Ein Rückenleiden, ja sogar ein Alkoholproblem wirkt „äußerlicher“ und damit kontrollierbarer als eine Panikstörung oder Stimmungsschwankungen. Auch ökonomisch versteckt sich hinter Depression mittlerweile ein Riese angesichts geschätzter Produktions-ausfallkosten durch psychische Störungen von 3,8 Milliarden Euro. Die Weltgesundheits-organisation prognostizierte jüngst, dass Depressionen bis zum Jahr 2010 nach den Herz-Kreislauf-Erkrankungen die zweithäufigste Erkrankung der Welt werden wird. Damit würde der Herzinfarkt echte Konkurrenz vom Infarkt der Seele erhalten.
Ursachenforschung
Der Tenor vieler Beiträge zum Thema ist ähnlich: Die Belastung des Einzelnen durch berufliche und persönliche Überforderung nimmt stetig zu. Die eigentlich gar nicht so schädliche Abwechslung zwischen Phasen der Entspannung und Anspannung fällt durch Stress immer geringer aus. Soziale Beziehungen zu anderen Menschen reduzieren sich mittlerweile auf ein Minimum und führen im schlimmsten Fall zur Vereinsamung, die auch virtuelle Netzwerke wie Facebook nicht kompensieren können. Viele Menschen verlieren in dieser Situation die Kompetenz, ihr Leben sinnvoll zu gestalten, Probleme zu lösen und den Herausforderungen von Alltag und Beruf standzuhalten. Einen weiteren Grund für die Zunahme psychischer Erkrankungen sehen Experten aber auch in der erleichterten Diagnostik. Denn für ein Drittel der Beschwerden, mit denen Patienten heute zum Arzt gehen, gibt es keinen eindeutigen körperlichen Befund. Das eröffnet einen gewissen Ermessensspielraum. Die Schwelle, eine Psychodiagnose zu vergeben, ist in den vergangenen Jahren deutlich gesunken.
Unterschiedliche Ausprägungen
Die Ausprägung von Depressionen ist vielschichtig. Sie werden je nach Auftreten, Intensität und Dauer der Symptome in drei Gruppen eingeteilt: in leichte, mittelschwere und schwere Depressionen. Oft halten depressive Phasen nur einige Monate an und bessern sich von alleine wieder. In anderen Fällen können sie sich aber auch ohne Behandlung über einen längeren Zeitraum erstrecken oder immer wiederkehren. Die Ursachen einer Depression sind bis heute nicht endgültig geklärt. Experten nehmen an, dass ein Ungleichgewicht bestimmter Botenstoffe im Gehirn die Abläufe innerhalb der Nervenzellen stört. Hauptsymptome sind gedrückte Stimmung, Interesse- und Freudlosigkeit sowie Antriebsstörungen. Daneben können Symptome wie Konzentrationsstörungen, mangelndes Selbstwertgefühl, Unruhe oder gehemmtes Verhalten auftreten.
Therapiemöglichkeiten
Depressionen können mittlerweile dank moderner Therapiemöglichkeiten erfolgreich behandelt werden.
Medikamente
Ziel der medikamentösen Behandlung mit sogenannten Antidepressiva ist es, jene Botenstoffe an ihren Wirkorten länger zur Verfügung zu stellen.
Psychotherapie
Eine sehr erfolgreiche Form der Psychotherapie bei Depressionen ist die sogenannte kognitive Verhaltenstherapie. Der Psychotherapeut unterstützt den Patienten dabei, neue Lösungen für seine aktuellen Probleme zu finden. Auf diesem Wege werden neue Verhaltensstrategien für die Zukunft erarbeitet. Bei dieser Methode geht es im Wesentlichen darum, sich negative Denkmuster und Verhaltensweisen abzutrainieren, die das Leben schwer machen.
Hilfe zur Selbsthilfe: Nerven aus Stahl entwickeln
Ganz gleich, aufgrund welcher Belastung: Viel Bewegung, frische Luft, stressarme Freundschaften und vielleicht noch ein neues schräges Hobby – die Rezepte, die Patienten aus stationären Klinikaufenthalten mitnehmen, sind oft erstaunlich schlicht. Aber vielleicht ist das ja auch der Punkt. Einen wichtigen Beitrag kann zudem mentales Training leisten, sowohl zur Rehabilitation als auch zur Prävention. Denn mentales Training gibt dem Anwender die Möglichkeit, sich gegenüber Stressfaktoren zu immunisieren und zudem sein geistiges Potenzial positiv zu nutzen.
