Schwerhörigkeit bleibt oft unbemerkt

Schwerhörigkeit bleibt oft unbemerkt - Hören, wie das Gras wächst

Wie bitte? Schwerhörigkeit ist für die Betroffenen oft sehr belastend. Was als Senioren-Problem gilt, ist in Wirklichkeit in allen Altersgruppen verbreitet. Jeder fünfte Erwachsene ist schwerhörig. Je schneller der Hörschaden festgestellt wird, desto besser kann er korrigiert werden. Bei diesen Anzeichen sollte man einen Arzt aufsuchen.

Aufgedrehter Fernseher ist ein Warnsignal

„Es gibt typische erste Anzeichen, die auf Schwerhörigkeit hindeuten“, erklärt der Freiburger HNO-Arzt Dr. Michael Deeg. Der Hörschaden macht sich anfangs vor allem bei Gesprächen in größerer Runde – etwa auf Partys – bemerkbar: Wenn der Lärmpegel insgesamt hoch ist, können die Betroffenen kaum ein Wort verstehen. Auch wenn jemand das Radio oder den Fernseher ständig so laut aufdreht, dass es alle anderen als unangenehm empfinden, kann dies ein Hinweis auf beginnende Schwerhörigkeit sein.

Schwerhörigkeit nicht ignorieren

Bei den ersten Warnsignalen sollte man sofort einen Ohrenarzt aufsuchen. Doch viele scheuen davor zurück, weil sie Angst vor der Diagnose „Schwerhörigkeit“ haben. „Ein Hörgerät gilt immer noch als Stigma“, sagt Deeg. Doch wer seine Schwerhörigkeit ignoriert, macht alles nur noch schlimmer. Denn je später der Hörschaden erkannt wird, desto schwieriger wird es, ihn zu behandeln. „Mit zunehmender Schwerhörigkeit erreichen immer weniger Schallreize das Innenohr. Dessen Strukturen verkümmern mit der Zeit, so dass man den Schaden irgendwann auch mit einem Hörgerät nicht mehr beheben kann“, erklärt der Mediziner.

Laute Musik schädigt die Ohren

Schwerhörigkeit tritt besonders häufig bei älteren Menschen auf. Aber auch jüngere Menschen trifft es immer öfters. „Jeder fünfte Erwachsene und jeder zehnte ­Jugendliche ist schwerhörig“, so die Expertenmeinung. Hauptursache ist eine zu hohe Lärmbelastung. Gefährdet sind vor ­allem Menschen, die täglich mit lauten Maschinen arbeiten müssen. In der Freizeit stellt vor allem Musik eine Gefahr für die Ohren dar – ob in der Diskothek, beim Konzert oder über Kopfhörer.

Lärmpausen sind wichtig

Um Schwerhörigkeit vorzubeugen, muss man sich gegen Lärm schützen. „Ein Lärmpegel ab 85 Dezibel ist gehörschädigend“, sagt der HNO-Arzt – vorausgesetzt, das Ohr wird diesem Lärm über längere Zeiträume hinweg ausgesetzt. Bei einem Rock­konzert liegt der Schallpegel zwischen 95 und 105 Dezibel, die ­heimische Stereoanlage bringt es auf bis zu 100 Dezibel und Musik über Kopfhörer erreicht einen Pegel von bis zu 110 Dezibel. Wer zuhause Musik hört, sollte also etwas leiser drehen. Bei Konzerten empfiehlt es sich, Ohrstöpsel zu tragen. Und: Lärmpausen sind wichtig, also lieber Vogelgezwitscher statt MP3-Sound beim Joggen.

Gute Beratung beim Fachmann

Einmal dauerhaft geschädigt, hilft nur noch ein Hörgerät. Allerdings gibt es große Qualitäts- und Preisunterschiede. So wie ­eine Hifi-Anlage vom Discounter anders klingt als die vom Edel-Hersteller, so unterscheiden sich auch Hörsysteme in Klang und Komfort. Hörsysteme gibt es als Im-Ohr (IdO)-Variante und als Hinter-dem-Ohr-Gerät (HdO). IdO-Geräte werden unsichtbar im Gehörgang getragen. HdO-Geräte sind leistungsfähiger und ­dabei ebenfalls von so geringer Baugröße, dass sie auf den ­ersten Blick nahezu nicht zu erkennen sind. Die Preisspanne der Winzlinge liegt – abhängig von Leistungsfähigkeit und ­Ausstattung – zwischen 400 und 2.500 Euro pro Gerät. Die gesetzlichen Kranken­kassen erstatten davon einen Festbetrag in Höhe von ­421 Eu­ro. Voraussetzung ist die Verordnung durch einen HNO-Arzt.