Ein Sport für Körper und Geist
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Ein Sport für Körper und Geist
Bogenschießen
Viele Entscheidungen im Leben treffen wir intuitiv, aus dem „Bauch heraus“. Beim traditionellen Bogenschießen spielt – anders als beim Sportschießen – die Anzahl der Treffer eine untergeordnete Rolle; vielmehr liegt der Schwerpunkt auf der geistigen Übung. Man schießt sozusagen aus dem Bauch heraus, denn die traditionelle Schießkunst verzichtet auf technische Hilfsmittel.
Anspannung, Konzentration und Entspannung charakterisieren das intuitive Bogenschießen. Diese Eigenschaften waren es auch, die den Sporttherapeuten Roman Hochhalter veranlassten, an der AHG Klinik für Neurologie Hilchenbach im Sauerland therapeutisches Bogenschießen anzubieten. Viele neurologische Erkrankungen zeigen sich durch typische Symptome wie Lähmungen, Sprach- und Sehstörungen, Gefühlsstörungen, Konzentrationsschwäche, Gedächtnisstörungen oder Orientierungsprobleme. „Das Schießen eignet sich daher bei vielen Patienten hervorragend als nichtmedikamentöse Therapie und ergänzt den Erfolg der Therapie.“
Treffen ohne zu zielen
Der Sporttherapeut setzt seinen Bogen an. Er fokussiert eine circa 50 Meter entfernte Scheibe mit einem goldgelben Zentrum. Mit der linken Hand hält er den Bogen, mit der rechten zieht er aus der Schulter heraus die Bogensehne nach hinten – kräftig mit bis zu 50 Pfund Zuggewicht. Der Bogen spannt sich wie eine Feder. Nach kurzem „Innehalten“ lässt er die Sehne los. Die Sehne schnellt vor, katapultiert den Pfeil mit bis zu 180 feet pro Sekunde (fps) nach vorne, das entspricht einer Geschwindigkeit von 200 Stundenkilometern. Der Pfeil schlägt ein. Zwei Zentimeter von der Mitte entfernt – ein guter Schuss. Übrigens, viele Begriffe stammen aus dem Englischen. So werden etwa die Maße für den Bogen, die Sehne und die Pfeile in Fuß, Inch oder Zoll angegeben – vielleicht eine Reminiszenz an die gefürchteten englischen Langbogenschützen des Mittelalters.
Harmonie zwischen Körper und Geist
„Bogenschießen gibt es in seiner archaischen Form seit 14.000 Jahren“, verweist der Experte auf die Jagd. „Heute ist es als meditative und konzentrativ anspruchsvolle Sportart sehr beliebt.“ Immerhin ist Bogenschießen seit 1972 olympisch. Doch Roman Hochhalter favorisiert eher das Ursprüngliche: „Die Präzision kann man auch mit einem traditionellen Bogen erlernen. Gerade das macht den Reiz aus.“
Therapie mit Spaß und Erfolg
Als Sporttherapeut hat er vor acht Jahren den Entschluss gefasst, seine Leidenschaft für den Langbogen beruflich zu nutzen: in seiner „Highholder´s Bogenschule“ im Insbachtal, in Schulen oder in Kliniken. Mentales Training, Technikschulung, Konzentrationsaufgaben, Dehn- und Kräftigungsübungen, Entspannung und Meditation: In relativ kurzer Zeit stellen sich Erfolgserlebnisse ein und die parallel angeeigneten Fähigkeiten unterstützen den Genesungsprozess und das allgemeine Wohlbefinden“, stellt er die Faszination des Sportes heraus. Auch der Spaß komme nicht zu kurz, erklärt der Sporttherapeut, der Sportwissenschaft, Pädagogik und Psychosomatik studiert hat, seine Begeisterung für das Bogenschießen. Zur Abwechslung hat er auch mal Luftballons und Bierdeckel als Zielscheiben dabei, hin und wieder lädt er zum „Spaßschießen“ ein. Am Rand des Tals stehen ein Luchs und ein Wildschwein. „Drei-D-Objekte“, sagt Hochhalter. Mit der Jagd mit Pfeil und Bogen, die in Deutschland überdies verboten ist, hat das nichts zu tun. Die echten Kühe oben am Hang scheinen das zu wissen: Sie kauen seelenruhig weiter vor sich hin. Bogenschießen beruhigt.
Übrigens, Bogensport kann jeder schnell und kostengünstig erlernen. Adressen von Vereinen, die kostenfreie Schnupperkurse anbieten, finden Sie im Internet, z. B. unter www.bogenschiessen.de
