Optimisten leben länger
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Optimisten leben länger
Der Chef verteilt mal wieder Rüffel, Ihr Kollege wälzt unangenehme Aufgaben auf Sie ab und Sie fragen sich, wann Ihnen der Job eigentlich zuletzt Spaß gemacht hat: Wer es jetzt noch schafft, gut gelaunt sein Tagespensum zu bewältigen, muss schon ein wahrer Optimist sein. Oder ist doch alles ganz einfach? Studien beweisen: Ob das berühmte Glas Wasser halb leer oder halb voll ist, entscheiden wir selbst.
Psychologe Martin Seligmann ist überzeugt: Mit unserer Einstellung können wir den Verlauf unseres Alltags beeinflussen – je nachdem, ob wir unsere Aufgaben als Herausforderung oder Problem betrachten. Lange Zeit erfasste die Schulpsychologie hauptsächlich die Probleme und seelischen Erkrankungen eines Patienten.
Doch seit Kurzem versucht man, sich vor allem auf die positiven Aspekte zu konzentrieren. Dabei hängt die individuelle optimistische Ausprägung von drei Faktoren ab: den aktuellen Lebensumständen, der angeborenen Fähigkeit zum Optimismus und der eigenen Entscheidung. An der eigenen Einstellung sollten wir zuerst arbeiten. Denn dadurch lässt sich unsere Lebenssituation positiv beeinflussen. Lohnen tut sich’s allemal: Optimisten leben erwiesenermaßen gesünder und länger als ihre pessimistischen Zeitgenossen.
Alles eine Frage der Perspektive
Aber wie lässt man den Optimisten in sich von der Leine? Zuerst gilt es, die Gründe für negatives oder positives Denken und seine Auswirkungen zu entlarven. Optimisten führen Erfolge oft auf die eigene Leistung zurück, während Pessimisten sie auf den Zufall schoben. Auch bei negativen Erlebnissen verhalten sie sich unterschiedlich: Optimisten halten den negativen Vorfall für einen Sonderfall und versuchen daraus zu lernen; Pessimisten hingegen verallgemeinern die Situation und interpretieren ihr Umfeld negativ. Um es mit Heinz Rühmann zu sagen: „Ein Pessimist ist ein Mensch, der sich über schlechte Erfahrungen freut, weil sie ihm recht geben.“
Doch kann man eine Menge tun, um diese Haltung zu durchbrechen. Den Rüffel des Chefs nicht persönlich nehmen oder den nervigen Kollegen freundlich, aber bestimmt in die Schranken weisen
etwa. Der US-Kognitionspsychologe Paul Watzlawick beschreibt in seinem Klassiker “Anleitung zum Unglücklichsein”, wie man ein erfolgreicher Pessimist wird. Und rät augenzwinkernd, immer nur das Schlechteste von sich und anderen anzunehmen, auf jeden Fall aus jeder Mücke einen Elefanten zu machen und möglichst alles misszuverstehen. Auch empfiehlt er, das Leben als harte Prüfung ohne Spaß zu betrachten. Schon nach den ersten Zeilen wird Ihnen klar: Die Nichtbefolgung dieser Ratschläge garantiert eine positive Lebenseinstellung!
Lass den Optimisten raus!
Auch sonst können Sie eine Menge für eine bessere Weltsicht tun. Starten Sie den Tag positiv. Wie das geht? Öfter mal lächeln! Dazu genügt es manchmal schon, einen Smiley als Erinnerung in eine Ecke zu kleben. Was sich zunächst banal anhört, ist wissenschaftlich belegt. Selbst wenn uns gar nicht nach Lachen zumute ist, kann unser Gehirn nicht zwischen echtem und falschem Lachen unterscheiden. Gehen die Mundwinkel hoch, steigt automatisch unsere Laune und wir beginnen den Tag entspannter. Auch ein Stückchen Schokolade oder, als figurschonende Alternative, eine Banane können helfen: Gerade in der dunklen Jahreszeit bekommen wir weniger Licht und unser Körper produziert daher geringere Mengen des “Glückshormons” Serotonin. Beim Verzehr der süßen Mahlzeit schütten die Hirnzellen den Botenstoff Dopamin aus, der für das Glücksgefühl verantwortlich ist. Auch regelmäßiger Sport, vor allem an der frischen Luft, vertreibt negative Gefühle und stimmt insgesamt optimistischer. Hält die schlechte Stimmung allerdings weiter an und gesellen sich Symptome wie Abgeschlagenheit, Müdigkeit oder Ausgebranntheit dazu, sollte man von einem Arzt abklären lassen, ob dahinter nicht möglicherweise eine Depression steckt. Also – ob das Glas Wasser halbvoll ist, wenn Sie sich bei der Arbeit mit Chefs oder Kollegen auseinandersetzen müssen, liegt ganz bei Ihnen.
LITERARTURTIPP:
Paul Watzlawick: Anleitung zum Unglücklichsein, München 2009, (15. Neuauflage)
Paul Watzlawicks kleiner Band „Anleitung zum Unglücklichsein“ bricht rigoros mit der Vorstellung, Ziel des Menschen sei das Streben nach Glück. In Form von Metaphern, Aphorismen, Anekdoten und hintergründigen Geschichten beschreibt Watzlawick in amüsanter und ironischer Art die vielfältigen Möglichkeiten, den eigenen Alltag unerträglich zu gestalten und trivialen Ereignissen eine außergewöhnliche Bedeutung beizumessen.
