Wenn Lärm zum Problem wird

Wenn Lärm zum Problem wird

Stille Nacht?

Weihnachten ist eine Zeit der Besinnlichkeit, der Ruhe und des Friedens. Oder besser gesagt: Sie sollte es sein. Stattdessen sind Lärm und Trubel auf dem Weihnachtsmarkt, in Kaufhäusern oder am Glühweinstand an der Tagesordnung. Wer außerdem am Arbeitsplatz oder schlimmer noch zu Hause stetem Lärm ausgesetzt ist, sollte aufpassen. Denn der kann auf Dauer krank machen – neben Schwerhörigkeit drohen weitere, stressbedingte Erkrankungen. Worauf Sie (nicht nur zur Weihnachtszeit) achten sollten und wie Sie sich schützen können, erfahren Sie hier.

Die Zahlen lassen im wahrsten Sinn des Wortes aufhorchen: Über 14 Millionen Deutsche haben Hörprobleme – Tendenz steigend. Am häufigsten betroffen sind ältere Menschen, nicht zuletzt, weil die Leistungsfähigkeit des Hörorgans mit dem Alter ganz natürlich abnimmt. Doch längst haben auch junge Menschen zunehmend Probleme mit ihren Ohren. Grund genug für Mediziner und Wissenschaftler, Alarm zu schlagen. Hörschäden sind inzwischen der am weitesten verbreitete Zivilisationsschaden, allenfalls übertroffen vom Übergewicht.

Probleme eingestehen

Die Krux daran: Hörprobleme werden oft stigmatisiert, „schlecht hören“ häufig mit „nicht verstehen“ gleichgestellt. Deshalb wollen auch die Menschen, die Schwierigkeiten mit den Ohren haben, oft nichts von ihren Problemen wissen. Sind Brillenträger jeden Alters in unserer Gesellschaft mittlerweile akzeptiert, so werden Hörhilfen oft mit einer Behinderung gleichgesetzt. Dabei drohen Probleme mit dem Hören fast jedem. Kein Wunder, gibt es doch zahlreiche Schadensquellen. Verkehrslärm, MP3-Player und Handys mit Ohrstöpseln, laute Auto-Bässe, getunte Motoren oder Discomusik sind nur eine Seite davon. Auf der anderen sorgen buchstäblich krachende Arbeitsbedingungen für eine Dauerbelastung des sensiblen Organs. Das Gefährliche daran: Der Freizeitlärm wird häufig gar nicht als solcher wahrgenommen. Überhaupt ist das Lärmempfinden nicht für jeden dasselbe. Was beim einen das Wohlbefinden beeinträchtigt, kann bei anderen im wahrsten Sinn des Wortes zum einen Ohr rein und zum andern wieder raus gehen. Je nachdem, wie wichtig oder angenehm eine durch ihn transportierte Information ist, werden Geräusche unterschiedlich empfunden.

Krach beeinträchtigt nicht nur die Ohren

Geräuschpegel in einem Bereich zwischen 95 und 120 Dezibel (dB) sind in Clubs und auf Konzerten keine Ausnahme, aber eine echte Belastung fürs Gehör. Ein Arbeitnehmer dürfte nach dem Arbeitsschutzgesetz dieser Belastung nicht mehr als eine Stunde pro Tag ausgesetzt sein – privat ist jeder selbst seines (Hör-)Glückes Schmied. Das Tückische ist, dass die Schwächung des Hörorgans oft schleichend verläuft. Entsprechend sollte man auch den Ohrenarzt zumindest alle zwei Jahre aufsuchen und einen Hörtest machen lassen. Bei plötzlicher Hörverschlechterung, akuten Ohrgeräuschen, Schwindel oder einer Lähmung im Gesichtsbereich sollte sofort ein Facharzt aufgesucht werden. Andererseits hat Lärm viele Facetten und wirkt sich nicht allein auf das Hörvermögen negativ aus. Er kann auch zu chronischem Stress und damit einhergehend zu Anspannung, Resignation und Nervosität führen. Unter der langfristig erhöhten Produktion der Stresshormone Adrenalin und Noradrenalin leidet beispielsweise das Herz-Kreislauf-System: Blutgefäße verengen sich, Herzkranzgefäße altern vorzeitig. Lärmstress kann außerdem zu Störungen im Magen-Darm-Bereich, bei der Atmung und im hormonalen Regulationssystem führen.

Was tun zum Lärmschutz?

Wer seinem Gehör etwas Gutes tun will, sollte deshalb ein paar grundsätzliche Regeln beachten. Ob Konzert, Disco oder eigene Musikanlage: Die Lautstärke ist dann richtig, wenn man sich trotz Musik noch unterhalten kann. Liegt sie deutlich höher, gilt: ab und an mal Pause machen! Und in den Bereich von Disco oder Kneipe gehen, in dem eine geringere Lautstärke herrscht. Nach akustischen Strapazen wie Konzerten den Ohren einfach mal Ruhe gönnen – und ein paar Tage auf laute Musik verzichten. Wohnen Sie an vielbefahrenen Straßen, schlafen Sie am besten mit geschlossenem Fenster. Ohrstöpsel können ebenfalls helfen. Auch nach einem lauten Arbeitstag sollte man sich zu Hause nicht gleich durch Musik oder Fernseher beschallen lassen. Zum Beispiel kann ein Waldspaziergang helfen, auch mal den ruhigen Tönen der Natur zu lauschen.

Ab wann ist Lärm schädlich?

Bei Erwachsenen liegt der Grenzwert des Geräuschpegels bei 85 dB(A). Das bedeutet, sie können diesen Grenzwert acht Stunden lang ertragen, ohne dass Ihr Gehör bleibende Schäden nimmt. Bei Jugendlichen liegt dieser Grenzwert niedriger und bei Kindern bis 13 Jahren noch niedriger. Wer ständig zu laute Musik hört, schädigt sein Gehör dauerhaft. Weihnachten ist eine Zeit der Besinnlichkeit, der Ruhe und des Friedens. Oder besser gesagt: Sie sollte es sein. Stattdessen sind Lärm und Trubel auf dem Weihnachtsmarkt, in Kaufhäusern oder am Glühweinstand an der Tagesordnung. Wer außerdem am Arbeitsplatz oder schlimmer noch zu Hause stetem Lärm ausgesetzt ist, sollte aufpassen. Denn der kann auf Dauer krank machen – neben Schwerhörigkeit drohen weitere, stressbedingte Erkrankungen. Worauf Sie (nicht nur zur Weihnachtszeit) achten sollten und wie Sie sich schützen können, erfahren Sie hier.