Bio auf dem Prüfstand
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Wer Biolebensmittel kauft, möchte sich in den meisten Fällen gesünder und bewusster ernähren. Doch übertreffen Bioprodukte tatsächlich die herkömmlichen Lebensmittel?
Um das herauszufinden, hat Stiftung Warentest 85 Lebensmitteltests aus den vergangenen acht Jahren noch einmal verglichen. Das Ergebnis erstaunt! Denn grundsätzlich gesünder oder schmackhafter als konventionelle Lebensmittel sind Bioprodukte nicht. “Sehr gute” bis “mangelhafte” Produkte kamen bei beiden Gruppen vor.
Wo waren also die Stärken und Schwächen der Produkte?
Vor allem bei frischer Vollmilch und Würzölen schnitten die Ökoprodukte sehr stark ab. Weniger gut kamen dagegen die Babymenüs weg. Die waren zwar nicht mit Schadstoffen oder Keimen belastet, enthielten aber zu wenig Vitamin C und Fett. Auch beim nativen Rapsöl konnte Bio nicht punkten: Sieben von neun Bioprodukten rochen und/oder schmeckten holzig, modrig oder ranzig. Hier waren konventionelle Rapsöle eindeutig im Vorteil. Nach wie vor sind die meisten Biolebensmittel teurer. Im Durchschnitt 30 bis 50 Prozent. Oft gibt es die berechtigte Frage: Ist Bio drin, wo Bio draufsteht? Zumeist ja, sagt Stiftung Warentest, zumindest was die getesteten Lebensmittel betrifft. In so gut wie keinem Bioprodukt aus pflanzlichen Zutaten konnten Rückstände von chemischen Pflanzenschutzmitteln nachgewiesen werden. Nur zwei Sojadrinks waren zu Unrecht mit der Bezeichnung Bio ausgezeichnet.
Pestizidbelastung eindeutig niedriger
Frischem Bioobst, Biogemüse und Biotee können die Verbraucher größtenteils vertrauen: In 75 Prozent aller getesteten Produkte konnten keine Pestizide nachgewiesen werden. Hier schnitten die konventionellen Lebensmitteln mit nur 16 Prozent deutlich schlechter ab. Klar erwähnt werden sollte allerdings, das auch hier 91 Prozent der Fälle unter den gesetzlichen Höchstwerten für Pestizide blieben. Das erfreuliche Fazit: Die Pestizidbelastung bei den konventionellen Produkten ist in den vergangenen Jahren deutlich gesunken. Auch die Qualität wurde in den Tests begutachtet. Die anfänglichen Probleme mit Keimen und der Sensorik, sprich dem Geschmack und dem Geruch, haben die Hersteller von Bioprodukten im Lauf der Zeit größtenteils beseitigt. So waren die vor acht Jahren festgestellten Keimprobleme beim Räucherlachs in einem aktuellen Test kaum noch zu finden. Auch die Biomargarine schmecke deutlich besser, so Stiftung Warentest. Besserung auch beim Bio-Honig: Ein “mangelhaft” wegen Rückständen oder untypischer Deklaration kam im letzten Test 2009 nicht mehr vor. Bei den extra nativen Bio-Olivenölen schwankte jedoch die Qualität immer noch – zwischen “gut” und “mangelhaft”. Biobutter, Bio rapsöl und Bioapfelsaft rutschten in den aktuellen Tests sogar noch ab, was laut Stiftung Warentest aber zum größten Teil auf die verbesserte Analytik in dieser Zeit zurückzuführen sei. Dadurch sei es möglich, dass man noch sehr viel genauer und mehr nachweisen könne. Ein direkter Vergleich sei daher eher schwierig.
Ein Versprechen erfüllen Biolebensmittel allerdings nicht
Sie sollen mehr bioaktive Stoffe enthalten als konventionell hergestellte. Substanzen, mit denen sich Pflanzen vor schädlichen Umwelteinflüssen wie der UV-Strahlung schützen, sollen auch beim Menschen gesundheitsfördernd wirken. Allerdings kommen sie in allen naturnah hergestellten Produkten wie zum Beispiel trübem Apfelsaft vor, so Stiftung Warentest – weshalb es egal sei, ob diese ökologischer oder konventioneller Herkunft seien.
Fazit
Wer sich gesund ernähren möchte, kann dies auch mit herkömmlichen Produkten tun. Für wen jedoch Nachhaltigkeit und Ökologie eine Rolle spielt der sollte auch weiterhin zu Bioprodukten greifen, die sich in diesen Punkten doch stark von den konventionellen unterscheiden.
