Essstörungen
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Essstörungen, wie Magersucht und Bulimie, gehören zu den am meisten unterschätzten gesundheitlichen Problemen. Vor allem Mädchen und Frauen sind davon betroffen. Mehr als jedes fünfte Kind zwischen 11 und 17 Jahren leidet nach den jüngsten Daten des Kinder- und Jugend-Gesundheitssurveys (KIGGS) unter Symptomen einer Essstörung. Das sind 1,4 Millionen junge Menschen.
Magersucht
Die Magersucht (Anorexia nervosa) ist durch einen auffälligen, selbstherbeigeführten Gewichtsverlust gekennzeichnet. Sie tritt vor allem im Alter zwischen 14 und 18 Jahren auf. Magersüchtige sind von ihrem äußeren Erscheinungsbild auffallend dünn, das Körpergewicht liegt dabei mindestens 15 % unter dem der Größe und dem Alter entsprechenden Normalgewicht (der Body-Mass-Index liegt unter 18,5). Sie sind hoch sensibel für die Bedürfnisse anderer und können sich verbal gut mit Freunden, Bekannten und Verwandten auseinandersetzen. Der Zugang zu ihrer eigenen Gefühlswelt ist ihnen jedoch sehr schwer möglich. Daher ist es auch für nahe stehende Personen schwierig, sie emotional zu erreichen und zu stützen.
Typisch für Magersucht ist z. B.
- fehlender Kontakt zum Körper und dessen Bedürfnissen
- der Körper wird als Feind erlebt und bekämpft
- Rückzugsverhalten
- manchmal übertriebene Sparsamkeit und extremer Reinlichkeitssinn, Ablehnung jeglicher lustbetonter Betätigung, eine ausgesprochen spartanische Lebensweise
Body-Mass-Index (Ermittlung)
BMI = Gewicht (in kg) / Größe (in m)²
Richtwerte
bis 18,5 Untergewicht nicht (weiter) abnehmen!
18,5 bis 25 Normalgewicht Unbedenklich, abnehmen nicht empfehlenswert
25 bis 30 leichtes Übergewicht bei Risikofaktoren/Krankheit abnehmen
30 bis 40 starkes Übergewicht unbedingt abnehmen
ab 40 massives Übergewichtextrem hohes Risiko!
Gerade bei höherem Übergewicht ist es ratsam, sich ärztlich untersuchen und beraten zu lassen.
Die Neuerkrankungsrate von Frauen liegt zwischen 0,5 und 1 %. Etwa 5 bis 15 % der Betroffenen sterben. Todesursache ist in den meisten Fällen nicht das Verhungern, sondern eine Infektion, gegen die der geschwächte Körper nicht mehr ankämpfen kann.
Bulimie
Bei der Ess-Brech-Sucht (Bulimie) sind die Betroffenen meist normalgewichtig, jedoch mit ihrer Figur unzufrieden. Aufgrund der Angst vor einer Gewichtszunahme und eines stark regulierten Essverhaltens treten Heißhungeranfälle auf, die mit gewichtsregulierenden Maßnahmen wie Erbrechen, Diäten, exzessivem Sport und Missbrauch von Abführ- und Entwässerungsmitteln bekämpft werden. Auch die Ess-Brech-Sucht zieht eine Reihe körperlicher Folgeschäden nach sich (z. B. Säureschädigung der Zähne und Schleimhäute).
Typisch für Ess-Brech-Sucht ist z. B.
- Essverhalten in der Öffentlichkeit ist kontrolliert
- Auswahl von light- und fettarmen Produkten für die Mahlzeiten, die „offiziell“ gegessen werden und im Körper bleiben
- keine geregelten Mahlzeiten
- nach außen hin funktioniert alles, die Fassade stimmt
Rat und Hilfe – Tat und Aktion
Die von der Bundesregierung ins Leben gerufene Initiative “Leben hat Gewicht – Gemeinsam gegen den Schlankheitswahn” soll ein Zeichen gegen oftmals fragwürdige Körper- und Schönheitsideale setzen.
Die Bundesregierung thematisiert im Rahmen des Nationalen Aktionsplans die Prävention von Fehlernährung, Bewegungsmangel, Übergewicht und damit zusammenhängenden Krankheiten. Das Bundesgesundheitsministerium wird in 2008 die Selbsthilfe bei Essstörungen durch ein Modellprojekt stärken. Des Weiteren werden Forschungsprojekte zum Thema Essstörungen vom Bundesministerium für Bildung und Forschung finanziert.
Aktuelle Präventionsangebote in Wohnortnähe finden Sie auf der Internetseite der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung unter http://www.bzga-essstoerungen.de/praevangbot.htm
