Histamin-Unverträglichkeit

Viele reagieren empfindlich auf bestimmte Lebens mittel – schuld daran ist häufig Histamin

Abends zum Italiener um die Ecke auf eine Salamipizza und ein Glas Wein? Drei Millionen Menschen in Deutschland verzichten lieber auf diese Alltagsfreude – Histamin-Unverträglichkeit ist der Grund.

Was ist Histamin-Unverträglichkeit?

Normalerweise wird Histamin im Körper durch ein Enzym abgebaut. Bei Personen mit einer Histamin-Unverträglichkeit ist die Aktivität dieses Enzyms eingeschränkt. So kann das im Körper gebildete und durch die Nahrung aufgenommene Histamin nicht oder nur teilweise abgebaut werden, was zu unangenehmen Beschwerden führt.

Ursache

Betroffen sind vor allem Frauen ab dem 40. Lebensjahr. Besonders Personen mit einer entzündlichen Darmerkrankung oder Menschen mit einer Nahrungsmittel-Kreuzallergie haben ein erhöhtes Risiko. Ganz wenige haben einen angeborenen Enzymdefekt. Einen solchen Histamin-Überschuss können entweder Lebensmittel auslösen, die selbst viel Histamin enthalten, sogenannte Histamin-Liberatoren. Diese führen zu einer Freisetzung von Histamin aus den Körperzellen. Folgen sind allergische Beschwerden.

Beschwerden

Die Beschwerden sind sehr vielfältig. Im schwersten Fall kommt es zu einem anaphylaktischen Schock.

Mögliche Symptome nach Nahrungsaufnahme sind

  • Hautrötung, Juckreiz, Nesselsucht
  • rinnende Nase, Nasenschleimhautschwellung, Atembeschwerden, Asthma bronchiale
  • Kopfschmerzen, Hitzegefühl, Migräne, Schwindel
  • Blähungen, Durchfall, Übelkeit/Erbrechen, Bauchschmerzen
  • Blutdruckabfall, Herzrasen, Herzrhythmusstörungen, Tachykardie
  • Zyklusstörungen

Diagnose

Der sicherste Weg, eine Histamin-Intoleranz nachzuweisen, ist die sogenannte Eliminationsdiät. Dabei sollten histaminreiche Speisen und Getränke über vier Wochen gemieden werden. Liegt tatsächlich eine Histamin-Intoleranz vor, sollten sich die Beschwerden durch die Diät deutlich bessern. Um ganz sicherzugehen, kann man am Ende einer erfolgreichen Eliminationsdiät einen Provokationstest durchführen, also absichtlich ein stark histaminhaltiges Nahrungsmittel verzehren.

Behandlung: Diät und Medikamente

Treten die beschriebenen Symptome nach dem Essen auf, sollte in jedem Fall ein spezialisiertes Allergie-Ambulatorium oder ein entsprechender Facharzt konsultiert werden.
Therapeutisch steht die Diät an erster Stelle. Histaminreiche, unverträgliche Nahrungsmittel werden vom Speiseplan gestrichen – was nicht immer leicht ist, vor allem
wenn man im Restaurant isst oder von Freunden eingeladen wird. Vor allem Patienten mit eher leicht ausgeprägten Symptomen wollen zudem nicht immer auf ein Stück Käse, Schokolade oder auf einen Schluck Rotwein verzichten. Die Diät kann deshalb auch durch Medikamente
unterstützt werden. Antihistaminika blockieren die Histamin-Rezeptoren. Sie setzen sich sozusagen anstelle des echten Histamins auf den entsprechenden Zell-Rezeptor, das Histamin kann nicht mehr “andocken” und die Beschwerden
lassen nach.

Käse Histamin (mg/kg)
Emmentaler     10 – 500
Parmesan     10 – 580
Gouda, Edamer, Stangenkäse 10 – 200
Tilsiter, Geheimratskäse, Butterkäse 10 – 60
Österr. Blau- u. Grünschimmelkäse 10 – 80
Camembert, Brie 10 – 300
Schlosskäse, Romadur 10 – 80
Quargel 10 – 50
Frischkäse, Topfen 0
Rohwürste/Rohschinken Histamin (mg/kg)
Salami 10 – 280
Cervelatwurst, Kantwurst     10 – 100
Osso Collo, Westfälischer Schinken 10 – 300
Frischfleisch 1
Fisch/Fischprodukte Histamin (mg/kg)
Fisch fangfrisch 0
Frischfisch verdorben 13.000
Tiefkühlware 0 – 5
Vollkonserven (z. B Thunfisch) 0 – 15
Gemüse Histamin (mg/kg)
Tomaten (Ketchup) 22
Spinat 30 – 60
Avocado 23
Aubergine 26
Sauerkraut 10 – 200
Essig Histamin (mg/kg)
Rotweinessig 4
Alkoholische Getränke Histamin (mg/kg)
Rotwein 3,8
Sekt 0,015 – 0,08
Champagner 0,67
Bier 0,025 – 0,05
Weizenbier 0,12 – 0,3