Yersinien

Lebensmittelvergiftung mit den Erregern der Pest – heute kaum noch bekannt

Yersinien: Klein, aber oho!

Wer hätte das gedacht: Hinter diesem süßen Namen verbergen sich richtig kleine Biester. Yersinien, besser bekannt als Pestbazillen, lösen eine bakterielle Lebensmittelvergiftung aus, ähnlich der Salmonellenerkrankung. Diese Lebensvergiftung kommt statistisch zwar zehnmal seltener als eine Salmonellenvergiftung vor, aber die Dunkelziffer ist groß.

Symptome

Alles beginnt mit Durchfall, der zu krampfartigen Bauchschmerzen führt, die einen oder mehrere Tage dauern. Als Immunabwehrreaktion des Körpers auf die Bakterien können massive Rheumaanfälle, also Gelenkschmerzen, auftreten – selbst Jahre nach der Infektion. Um Yersinien nachzuweisen, wird überprüft, ob der Körper Antikörper gegen Yersinien gebildet hat. Der Arzt muss die Stuhloder Blutprobe des Patienten auf Yersinien hin untersuchen, was bei Laboruntersuchungen normalerweise standardmäßig nicht üblich ist. Nach Abklingen der Durchfallsymptomatik sind die Erreger jedoch nicht mehr im Stuhl festzustellen, daher werden vorzugsweise Blutuntersuchungen durchgeführt. Im frühen Stadium kann die Infektion mit Hilfe von Antibiotika behandelt werden, dennoch kann die Folgeerkrankung Arthritis (Gelenkentzündung) in seltenen Fällen
chronisch werden.

Es gibt nur wenige Mittel, die gegen diese Bakterien wirksam sind. Deshalb bei Verdacht unbedingt einen Kontrolltest machen lassen (selbst bei einer harmlosen Magen- Darm-Infektion).

Yersinia pestis – Der Erreger der Pest

Yersinien sind benannt nach dem Schweizer Alexandre Yersin (1863-1943), dem Entdecker des Pest-Erregers Yersinia pestis. Man infiziert sich mit diesen Bakterien entweder über kontaminierte Lebensmittel oder in anderen Ländern durch verunreinigtes Trinkwasser. Die Pest ist eine klassische Erkrankung von Nagetieren. Der Übertrag erfolgt bevorzugt durch Flöhe, in deren Vormagen sich die Erreger besonders gut vermehren. Durch die weit verbreitete Rattenplage trat die Pest im Mittelalter als Epidemie auf. Heute werden nur selten Infektionen beobachtet. vor allem bei Menschen, die mit Nagetieren intensiven Kontakt hatten. Die Weltgesundheitsorganisation registrierte im letzten Jahrzehnt nur etwa 15.000 Fälle weltweit. Die überwiegende Mehrzahl stammt dabei aus Ländern mit schlechten hygienischen Verhältnissen.

Die Erreger dringen durch die Haut ein und gelangen dann in die Lymphknoten. Dort vermehren sie sich. In der Folge kommt es zur Bildung der typischen Pestbeulen. Bei Durchbruch dieser Hautbeulen kommt es zur Übertragung in die Blutbahn und einer weiteren vehementen Vermehrung der Erreger in den Organen. Pestbakterien reagieren auf eine Behandlung mit Antibiotika (Streptomycin, Tetracycline, Chloramphenicol).

Traurige Berühmtheit erlangte die Pest auch, als die hohe Sterblichkeit bei unbehandelten Erkrankungen dazu führte, dass Pestbakterien gezielt herangezüchtet und als Kampfstoff vorrätig gehalten wurden.

Tipps

  • Lassen Sie Lebensmittel im Sommer nicht lange im Auto liegen und kaufen Sie nichts auf dem Markt, was längere Zeit in der Sonne lag.
  • Meiden Sie in den heißen Monaten Hackfleisch oder mit rohem Ei verquirlte Speisen (z. B. Mayonaise).
  • Braten Sie Fleisch und Fisch gut durch (etwa 10 Minuten bei 70 Grad).
  • Reinigen Sie regelmäßig Ihren Kühlschrank.
  • Gießen Sie das Abtauwasser von gefrorenem Fleisch und Fisch ab, ohne dass es mit anderen Lebensmitteln in Berührung kommt.
  • Sorgen Sie für Hygiene in Ihrem Badezimmer.
  • Waschen Sie Ihre Hände nach dem Toilettengang und nach Kontakt mit Tieren.