Krank durch Videospiele?

Epilepsie und andere Gefahren

Fotosensibilität

Bei ungefähr 0,025 % aller Menschen (jedem Viertausendsten), aber 5 % aller Menschen mit Epilepsien kann Fotosensibilität epileptische Anfälle auslösen. Entsprechenden Lichtreizen ist man schon im täglichen Leben häufig ausgesetzt. Beispiele sind defekte Neonröhren oder seitlich zwischen Bäumen einfallendes Sonnenlicht beim Fahren durch eine Allee, Lichtreflexionen auf spiegelnden Wasserflächen oder großen Glasscheiben. Stroboskop-Blitze und andere Lichteffekte in Diskotheken sind besonders starke Reize, die bei Jugendlichen häufiger eine Rolle spielen.

Jugendliche besonders gefährdet

Eine Fotosensibilität äußert sich in Schwindelgefühl, Augenflimmern und Kopfschmerzen. Obwohl sie vererbt wird und somit von Geburt an vorhanden ist, gibt es ein bevorzugtes Lebensalter, in dem eine vermehrte Lichtempfindlichkeit das Auftreten von Anfällen begünstigt. Dieser besonders gefährdete Altersbereich liegt zwischen der Kindheit und dem frühem Erwachsenenalter und entspricht damit leider genau dem Alter, in dem oft besonders viel Zeit in Diskotheken, vor dem Fernseher oder mit Videospielen verbracht wird. In der Regel ist Fernsehen für Menschen mit Epilepsien nicht gefährlich. Mindestens jeder zweite Betroffene mit Anfällen während dem Fernsehen oder Videospielen hat auch unabhängig davon Anfälle und Menschen mit Epilepsien ohne Fotosensibilität haben während dem Fernsehen oder Videospielen kein erhöhtes Anfallsrisiko.

Videospiele

Nach der sehr rasch zunehmenden Verbreitung von Videospielen in den letzten Jahren wurde bald die Sorge laut, ob diese nicht ebenso wie das Fernsehen für manche Menschen mit Epilepsie gefährlich sein könnten. 1993 gab es in den USA und England in der Öffentlichkeit eine große Aufregung und lange Diskussionen bis hin zu Forderungen nach einem Verbot von Videospielen einschließlich der kleinen, handgehaltenen Geräte mit eingebautem Bildschirm (Gameboy, Gamegear etc.).
Nach der Meinung aus diesen Gründen speziell einberufener Expertenrunden kann zwar davon ausgegagen werden, dass Videospiele zumindest bei Menschen mit einem vorbestehenden erhöhten Risiko epileptische Anfälle auslösen können, ingesamt ist aber auch dieses Risiko recht gering.

Wenn Menschen mit nachgewiesener Fotosensibilität dennoch Videospiele benutzen möchten, sollten sie folgende Vorsichtsmaßnahmen treffen:

  • Sie sollten Spiele mit bekannter Anfallsprovokation meiden.
  • In genügender Entfernung vor dem Fernsehgerät sitzen (etwa 2 bis 2,5 Meter).
  • Ein langdauerndes Spielen über mehr als eine Stunde pro Spiel sollte unterbleiben, ebenso ein Spielen bei gleichzeitigem Vorhandensein anderer anfallsbegünstigender Umstände wie Schlafentzug, Fieber oder Hunger.
  • Der Raum sollte gut beleuchtet sein.
  • Möglichst einen 100-Hz-Bildschirm nutzen, da dieser seltener Anfälle auslöst als Bildschirme mit niedrigerer Frequenz (50 Hz).

Dennoch sollten Kinder ihre Freizeit nicht primär mit Videospielen verbringen. Eltern sollten stets Termine mit den Kindern gemeinsam fest legen, wobei die Interessen der Kinder den Vorrang haben und die Aktivitäten dem kindlichen Verlangen angemessen sein sollten.