Rituale sind nicht nur an Weihnachten wichtig
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Vertraut, geliebt und fest verankert
Bald ist es wieder so weit: Das Fest der Liebe zieht Menschen weltweit in seinen Bann. Doch was macht den Weihnachtszauber, von dem so oft die Rede ist, eigentlich aus? Woran liegt es, dass wir das Fest der Liebe als heimelig, friedlich und schön empfinden? Dass auch erwachsene Männer und Frauen sich beim Anblick von Krippe, Tannenbaum und Plätzchen in die Kindheit zurückversetzt fühlen? Hier spielen Rituale eine große Rolle. Weshalb sie so wichtig sind und warum man sie dennoch auch mal locker handhaben sollte, erfahren Sie in diesem Artikel.
Der Mensch ist ein Gewohnheitstier, heißt es in einem bekannten Spruch. Tatsächlich fühlen wir uns tendenziell wohl, wenn wir unsere Umgebung kennen und wissen, was uns erwartet. Abläufe oder Platzierungen, die über Jahre hinweg gleich bleiben, schenken uns ein Gefühl von Vertrautheit und Sicherheit.
Warum wir Rituale brauchen
Kurz gesagt: Rituale sichern Zusammenhalt. In der Familie, im Freundes- und Bekanntenkreis. Wenn man(n) sich beispielsweise einmal im Jahr mit den besten Kumpels zum Gang ins Fußballstadion oder Frau zum Wellness-Wochenende mit der besten Freundin trifft, ist das in der Regel zu großen Teilen ebenso ritualisiert wie das gemeinsame Geschenkeauspacken an Weihnachten. Diesen Zusammenhalt und das gemeinsame Erleben stets aufs Neue zu erfahren, sich ihrer sozusagen „rückzuversichern“, gibt Halt im Alltag und fördert das seelische Wohlbefinden. Gerade für kleine Kinder ist das enorm wichtig. Mehr noch als bei Erwachsenen, ist ihr Alltag im Optimalfall von vertrauten Ritualen durchzogen: dem gemeinsamen Abendessen, dem Zähneputzen, dem Gute-Nacht-Kuss beim Ins-Bett-gehen oder dem Anruf bei Tante und Onkel. So lernen sie früh, Beständigkeit und den Wert von festen, verlässlichen Werten zu schätzen. Diese Sicherheit stärkt das Selbstbewusstsein und hilft, den Charakter zu festigen.
Rituale fördern sozialen Zusammenhalt
Was macht einen regelmäßigen Kontakt und gute familiäre Beziehungen aus? Sicherlich nicht allein feste Rituale. Doch helfen, die Bande zu festigen, können Sie definitiv. Es mag klischeebeladen
klingen, doch der Opa, der mit dem Enkel im Garten arbeitet, die Tante, die ihm aus dem Märchenbuch vorliest, oder der Cousin, der mit ihm Fußball spielt, legen auf diese Weise den Grundstein einer guten, über Jahrzehnte währenden Beziehung – auch wenn aus den Kindern Erwachsene werden und der Kontakt seltener wird. Ganz Ähnliches gilt im Übrigen auch beispielsweise für Schulfreunde, die in unterschiedliche Städte ziehen. Hinter Ritualen steckt also weit mehr als der Hang zu Pedanterie. Kinder brauchen die Wiederholungen, um sich trotz der großen Welt vor der Tür geborgen zu fühlen. Auch bei Erwachsenen gehören die Zeitung zum Wochenendfrühstück, der Abschiedskuss zur morgendlichen Verabschiedung oder der Keks zum Kaffee zur liebgewordenen Routine.
Vorsicht negative Rituale!
Bei aller Vertrautheit, die sie schenken – übertriebene Rituale können das Wohlgefühl rasch ins Gegenteil umschlagen lassen. Einengung, Protest, Abkehr und gereizte Stimmung sind die Folgen.
Was aber tun, wenn die pubertierenden Kinder plötzlich nicht mehr in die Kirche mitwollen, das Singen unterm Baum verweigern oder an Heiligabend in die Disko verschwinden, statt gemütlich mit der Familie zusammenzusitzen? Zunächst einmal gilt: Ruhe bewahren. Mit Zwang kommt man hier nicht weiter – man denke beispielsweise an Loriots Weihnachten, wo es so süffisant übertrieben heißt: „Jetzt seid doch endlich mal gemütlich!“ Welche Rituale wichtig sind, definiert ohnehin jeder für sich selbst. Deshalb macht es manchmal auch Sinn, dem Nachwuchs den „Ausstieg“ zu ermöglichen.
Zäumen Sie das Pferd doch mal von hinten auf! Wenn der Sohnemann sich eine Schlittenfahrt oder die Tochter einen Besuch auf dem Weihnachtsmarkt wünscht, spricht nichts dagegen, diese gemeinsamen Unternehmungen neu zu ritualisieren. Und davon abgesehen ist es doch auch mal schön sich inmitten all des Trubels ein wenig Zeit für sich zu nehmen. So gesehen steht einem harmonischen Weihnachten nichts mehr im Wege – und gemeinsame Rituale bleiben immer noch genug. Genießen Sie sie.
