Sommerzeit – Zeckenzeit

So schützen Sie sich

Von Frühjahr bis Spätherbst ist Vorsicht geboten

Ob bei der Gartenarbeit, beim Grillen auf der Wiese oder beim Parkspaziergang, die achtbeinigen Blutsauger lauern nicht nur auf Bäumen den Waldspaziergängern auf. Sie leben meist in Gräsern, Hecken oder im Unterholz. Mit bloßem Auge sind sie kaum zu erkennen, doch für den Menschen können sie zur großen Gefahr werden. Da Borreliose und Hirnhautentzündung Folgen eines Zeckenbisses sein können, rät das Gesundheitsamt auch dieses Jahr zu einer Impfung.

Wie entferne ich Zecken?

Am sichersten ist es, die Zecken von einem Arzt entfernen zu lassen. Dieser kann auch anschließend die Wundbehandlung vornehmen. Finger weg von Hausmitteln: Kein Öl auf die Zecke gießen, niemals die Zecke aufstechen oder die Zecke anbrennen. Der Parasit würde in einem solchen Fall erst recht den Erreger in die Wunde abgeben. Mit Hilfe einer speziellen Zeckenpinzette sollte man den Parasit möglichst dicht über der Haut anpacken und ihn dann gerade nach hinten herausziehen. Das Tier darf dabei nicht gequetscht werden. Nach dem Entfernen der Zecke sollte die Stelle mit einem Desinfektionsmittel betupft werden. Ein Arztbesuch ist in jedem Fall ratsam. Das Entfernen einer Zecke sollte am besten von einem Arzt vorgenommen werden. Der Körper des Tieres sollte auf keinen Fall gequetscht werden. Für die meisten Menschen sind sie kleine Vampire. Für die Biologen sind sie Spinnentiere. Weltweit sind über 800 Zeckenarten bekannt. Der bekannteste Vertreter bei uns ist der Holzbock. Die blutsaugenden Parasiten sind mit einem Stechrüssel mit Widerhaken ausgestattet. Es ist ein weit verbreiteter Irrtum, dass Zecken auf hohen Bäumen sitzen und sich gezielt auf Menschen herabfallen lassen. Sie leben vorwiegend auf Gräsern, auf Farnkraut oder auf der Unterseite von Blättern und Büschen. Wenn sie einen Wirt ausgemacht haben, lassen sie sich fallen und suchen eine geeignete Stelle zum Blutsaugen. Beim Menschen sind dies vorwiegend der Bereich der Achselhöhlen oder der Bereich der Schamgegend.
Sowohl die männlichen als auch die weiblichen Tiere können Blut saugen. Die Weibchen benötigen das Blut des Wirtes zur Bildung von bis zu 3000 Eiern. Deswegen ist der Bedarf an Blut bei ihnen um ein Vielfaches höher als bei ihren männlichen Artgenossen. Bei einer vollgesogenen Zecke erhöht sich das Körpergewicht fast um das 200fache. Es kann bis zu zehn Tagen dauern, bis eine weibliche Zecke ihren Durst gestillt hat. Ist sie satt, fällt sie vom Wirt ab.

Warum sind Zeckenstiche so gefährlich?

Der Stich selbst ist kaum spürbar. Da mit dem Eindringen des Rüssels gleichzeitig ein schmerzstillendes Sekret abgegeben wird, ist an der Stichstelle oft nur eine kleine Rötung sichtbar. Doch Zecken können durch ihren Stich mehrere Krankheiten übertragen. So zum Beispiel die FSME, die Frühsommer-Meningoencephalitis, die Borreliose, die Ehrlichiose und die Babesiose. Wenn Sie einen Urlaub in einem Gebiet planen, in dem vermehrt Zecken auftreten, dann sollten Sie sich vorher impfen lassen. Die in Deutschland erhältlichen Schutzimpfungen schützen jedoch nur gegen die eher seltene FSME. Einen Impfstoff gegen die Borreliose gibt es zur Zeit noch nicht.

FSME – Ursache und Symptome

Die FSME-Viren befinden sich in den Speicheldrüsen der Zecke und werden beim Stich direkt auf das Opfer übertragen. Zunächst reagiert der Patient mit Fieber sowie Kopf- und Gliederschmerzen. Die Symptome gleichen einer Sommergrippe. Bei einem Teil der Infizierten kann das zentrale Nervensystem befallen werden. Eine Hirnhautentzündung (Meningitis) mit hohem Fieber, starken Kopfschmerzen und Nackensteifheit ist die Folge. Eine schwere Form der FSME ist die Gehirnentzündung (Meningoenzephalitis). Dabei kann das ganze Gehirn in Mitleidenschaft gezogen werden. Folgeschäden sind dann nicht auszuschließen. Im schlimmsten Fall kann die FSME sogar zum Tode führen. Die FSME kommt vorwiegend in bestimmten Gebieten, sogenannten Endemiegebieten vor. In Deutschland zählen dazu vor allem Bayern, Baden Württemberg und der Süden Hessens. Es sind auch einige wenige Fälle bekannt, bei denen die Erkrankung durch den Genuss unpasteurisierter Milch von infizierten Ziegen oder Kühen ausgelöst wurde. Heutzutage infizieren sich etwa 90 % aller Patienten in ihrer Freizeit mit dem Virus. In Deutschland sind es jedes Jahr über 100 Personen.

Borreliose

Die Borreliose ist eine bakterielle Erkrankung, die von sogenannten Borrelien ausgelöst wird. Sie befinden sich im Mitteldarm der Zecke und gelangen erst zu einem späteren Zeitpunkt in den Wirt. Die Borreliose kommt in allen gemäßigten Klimazonen vor und tritt 100fach häufiger auf als die FSME. Sie ist oft schwer zu diagnostizieren. Zu häufig ähneln die Beschwerden wie Abgeschlagenheit, Fieber und Kopfschmerzen denen anderer Krankheiten. Ein charakteristisches Merkmal der Borreliose ist die Wanderröte, auch Erythema migrans genannt. Einige Tage nach einem Zeckenstich wird um die Einstichstelle eine Rötung sichtbar.
Wird die Borreliose nicht erkannt und behandelt, kann ein chronisches Stadium mit Befall der Haut, der Gelenke und des Nervensystems auftreten.

Die Ehrlichiose

In der letzten Zeit rückt eine Erkrankung immer mehr in den Mittelpunkt des medizinischen
Interesses: die humane granulozytäre Ehrlichiose, kurz HGE. Sie wird wie die Borreliose von Bakterien übertragen. Etwa sieben Tage nach dem Zeckenstich spürt der Patient akute Fieberschübe, Übelkeit sowie Muskel- und Knochenschmerzen. Diese in den USA bekannt gewordenen Krankheit wurde in Europa erstmals in Slowenien diagnostiziert.

Die Babesiose

Die Babesiose kommt vor allem im Mittelmeergebiet vor. Diese Erkrankung ist allerdings relativ selten.

Wie kann ich mich schützen?

Einen 100prozentigen Schutz gegen Zeckenstiche gibt es nicht. Dennoch können Sie Maßnahmen ergreifen, um das Risiko eines Zeckenstiches möglichst gering zu halten.

  • Tragen Sie – vor allem auf Wiesen und in Wäldern lange Ärmel und lange Hosen. Außerdem sind die Zecken auf hellen Kleidungsstücken besser zu sehen.
  • Untersuchen Sie nach einem Spaziergang Ihre Kleidung. Zecken können in der Kleidung einige Zeit überleben. Deshalb sollte man die getragene Wäsche nach dem Spaziergang waschen.
  • Suchen Sie Ihren Körper, den Ihres Partners oder Ihrer Kinder nach möglichen Zecken ab. Zecken lieben warme Körperstellen und weiche Haut.
  • Aufenthaltsort der Zecke meiden. Bleiben Sie auf den Wegen. Parasiten halten sich vermehrt im Unterholz, im Gebüsch oder in hohen Gräsern auf.
  • Kontrollieren Sie unbedingt ihre Haustiere nach dem Waldspaziergang. Selbst Hunde können an Borreliose erkranken.
  • Vorsicht in der Zeckensaison! Im Winter sind Zecken nicht aktiv. Doch von März bis Oktober ist besondere Vorsicht geboten. Abweichungen können sich allerdings aus der aktuellen Wetterlage jederzeit ergeben. Eine trügerische Idylle. Gerade auf Wiesen lauern die Zecken. Deshalb: Nach jedem Aufenthalt im Freien Kleidung und Körper untersuchen!