Sucht bei Jugendlichen
Sie sind hier: Startseite » Gesundheitstipps » Familie » Sucht bei Jugendliche
Sucht bei Jugendlichen
Die Zahlen sind erschreckend. Drei von vier Jugendlichen in Deutschland haben Konsumerfahrung mit Alkohol; jeder Zehnte mit Cannabis. Doch wann laufen sie Gefahr, dass aus dem Gebrauch eine Sucht wird? Was sonst kann abhängig machen? Und wie sollte das Umfeld eines Süchtigen reagieren? Um diese Fragen zu beantworten, haben wir unter anderem mit einer Fachfrau der Jugendsuchthilfe gesprochen. Unser Artikel klärt auf.
Suchtgefahr hat viele Gesichter. Die bekanntesten davon sind Alkohol, Nikotin und Haschisch. Doch egal ob legale oder illegale Drogen, Erfahrungen in der ein oder anderen Form haben vergleichsweise viele Jugendliche schon gemacht – in der Gruppe der Zwölf- bis 17-Jährigen knapp zehn Prozent mit Cannabis, 1,1 Prozent mit Ecstasy und Speed. Die mit Abstand höchste Zahl findet sich mit 75 Prozent beim Alkoholkonsum, das höchste Suchtrisiko bergen Tabak und Heroin. Doch nicht nur Drogen bergen hohes Abhängigkeitspotential. Auch die PC-Nutzung, insbesondere in Form von Online-Rollenspielen, kann typische Merkmale einer Sucht hervorrufen.
Prävention und Hilfe
Zwischen Konsum und Abhängigkeit liegt natürlich eine breite Kluft. Doch manche Entwicklungen stimmen bedenklich. „Speziell beim sogenannten Komasaufen stellen wir eine deutliche Zunahme fest”, erläutert Dorothee Grimm von der Jugendsuchtberatung Heilbronn, wo sie gemeinsam mit weiteren Sozialpädagogen, Psychologen und Therapeuten Betroffene betreut. „Wer sich regelmäßig hemmungslos betrinkt, gleitet oft viel rascher unbemerkt in eine Sucht ab.“ Teil ihrer Arbeit ist deshalb auch die Prävention. „Wir gehen viel in Schulen und versuchen, die Problematik in Diskussionsrunden aufzuzeigen“, so Grimm. „Dabei weisen wir auch auf Suchtgefahren hin. Neben körperlichen und sozialen Problemen ist es oft der drohende Verlust des Führerscheins, der viele zum Nachdenken bewegt.“ Die Denkanstöße werden dabei nicht mit erhobenem Zeigefinger, sondern in offenen Gesprächen vermittelt. Einen ähnlichen Ansatz verfolgen Suchtberatungsstellen auch, wenn Betroffene zu ihnen kommen. „Wir bemühen uns um eine freundliche Atmosphäre“, erläutert die Expertin. „Beim ersten Treffen erzählen wir meist mehr von unserer Arbeit als die Jugendlichen von sich. Wir wollen sie nicht missionieren, sondern helfen. Erst, wenn ein gewisses Grundvertrauen da ist, öffnen sie sich uns in der Regel.“ Wenn die Suchtberater selbst nicht mehr weiterhelfen können, verweisen Sie an Fachärzte und spezielle Therapieeinrichtungen. Umgekehrt kommen natürlich auch nicht alle Jugendlichen freiwillig zur Suchthilfe. Manche werden vom Gericht geschickt. Aber aus welchen Beweggründen jemand letztlich auch erscheint: Keiner muss Angst haben, dass seine Probleme die vier Wände verlassen. Schweigepflicht ist für die Mitarbeiter vorgeschrieben. Zudem stehen sie in keinerlei Abhängigkeit von Staatsanwaltschaft oder Therapiezentren. Auch wer illegale Drogen konsumiert, kann sich der Suchthilfe also anvertrauen, ohne dadurch Strafverfolgung fürchten zu müssen. Auf Wunsch erfolgt die Beratung sogar anonym.
Wenn Konsum zur Sucht wird
Wie aber erkennt man überhaupt, ob jemand süchtig ist? „Da gibt es ganz klare Kriterien“, erläutert Grimm. „Starker Konsumzwang, verminderte Kontrollfähigkeit in Bezug auf Geld und Zeit oder Entzugserscheinungen wie Unruhe, Nervosität und Aggressivität.“ Dabei macht es keinen Unterschied, ob jemand süchtig nach Alkohol, Drogen oder PC-Spielen ist – die Symptome sind stets dieselben. Typisch ist auch, dass betroffene Jugendliche die Sucht in den Mittelpunkt ihres Lebens stellen und andere Bereiche wie Arbeit oder Freundschaften kaum mehr zählen. Problematisch dabei ist, dass Betroffene oft selbst kein Problem bei sich sehen. Aufmerksam auf die Suchtsymptome werden meist das Umfeld, Freunde und die Familie. Spätestens dann ist die Zeit gekommen, professionelle Hilfe in Anspruch zu nehmen. Im Idealfall sehen die Süchtigen selbst ein, dass sie ihr Leben nicht mehr im Griff haben, und suchen von sich aus Hilfe.
Wege in die Sucht
Auf die Frage, was Jugendliche eigentlich zum exzessiven Konsum treibt, gibt es wie so oft mehr als eine Antwort. Die Suche nach Entspannung, Spaß und Stressbewältigung lassen viele genauso zu Alkohol, Nikotin und Drogen greifen wie der Wunsch, zu einer Clique zu gehören oder sich von den Eltern abzugrenzen. „Ein weiterer Grund, den wir häufig zu hören bekommen, ist, dass bestimmte Gefühle, etwa beim Musikhören, Sex oder Gamen intensiver erlebt werden“, berichtet Grimm. Doch nicht jeder Konsument wird automatisch abhängig. „Viel hängt von der Erziehung, dem Milieu und der Persönlichkeit des Einzelnen ab“, so die Expertin. „Was leben Umfeld und Eltern vor, gibt es versteckte psychische Erkrankungen? Natürlich spielt auch die Verfügbarkeit der ,Droge’ eine große Rolle.“
Süchtige im Umfeld – was tun?
Wie aber sollen Eltern, Lehrer oder Freunde sich in einem solchen Fall verhalten? Das Beste ist laut Expertenmeinung, den Betroffenen wissen zu lassen, dass man sich Sorgen macht und helfen will. Parallel kam man sich auch bei der Suchthilfe beraten lassen. Das Wichtigste ist in jedem Fall, nicht tatenlos zuzusehen, wie jemand immer mehr in die Sucht abgleitet, sondern aktiv zu helfen oder Hilfe zu holen.
