Unfallverhütung im Kindesalter
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Kinder wollen vom ersten Tag an ihre Welt entdecken. Sie sind neugierig, erfinderisch und voller – oftmals ungestümer – Entdeckerlust. Sie sind aber auch unerfahren und „kennen“ noch keine Gefahren. Vor allem, wenn sie noch klein sind, können sie nicht unterscheiden, was gefährlich oder harmlos ist.
Die Sorge vor Unfällen besteht also zu Recht. Kleinkinder sind dabei am meisten gefährdet, sie verunglücken häufig in ihrer unmittelbaren Umgebung. Schrammen und Kratzer gehören zwar zum Großwerden dazu, damit aber nichts Schlimmeres passiert, sollten Eltern von Anfang an „auf Nummer Sicher gehen“ und ihrem Kind eine Umgebung schaffen, in der es geschützt heranwachsen und gefahrlos seiner kindlichen Neugier folgen kann. Denn es „in Watte zu packen“ und seine Spiel- und Bewegungsfreude einzuschränken, wäre der falsche Weg: Nur durch eigene Erfahrungen kann ein Kind selbständig werden und lernen, Gefahren einzuschätzen und damit umzugehen. Doch bis es so weit ist, sind Kinder ganz auf die vorausschauende Umsicht der Erwachsenen angewiesen.
Altersbezogener Überblick über die Entwicklung des Gefahrenbewusstseins
- 0 bis 4 Jahre: Säuglinge und Kleinkinder besitzen noch kein Bewusstsein für Gefahren.
- Ab ca. 4 Jahren: Ein erstes Gefahrenbewusstsein setzt ein.
- Ca. 5 bis 6 Jahre: Kinder können akute Gefahren erkennen, was aber nicht bedeutet, dass sie sich davor auch schon schützen können. Beispiel: Das Kind merkt erst oben auf dem Baum, dass es auch hinunterfallen kann.
- Ab ca. 8 Jahren: Kinder lernen nun allmählich, Gefahren vorausschauend zu erkennen. Beispiel: Das Kind weiß, dass es vom Baum herabstürzen kann, und überlegt vorher, ob es das Hinaufklettern wagen soll.
- Ab ca. 9 bis 10 Jahren: Kinder beginnen ein vorbeugendes Gefahrenbewusststein zu entwickeln und können durch bewusstes Handeln Gefahrensituationen verhindern. Beispiel: Das Kind legt eine Unterlage unter den Baum, damit ein eventueller Sturz abgemildert wird.
- Ca. 14 Jahre: Meist wird erst in diesem Alter ein vorausschauendes und vorbeugendes Gefahrenbewusstsein umgesetzt. Alters- und entwicklungsbedingte Unfallschwerpunkte
Mit dem Alter eines Kindes ändern sich auch die Unfallschwerpunkte. Bis zum Alter von etwa vier Jahren passieren Unfälle vor allem im häuslichen Bereich. Sie geschehen überwiegend bei typischen kleinkindlichen Tätigkeiten, durch die Kinder ihre Umwelt kennenlernen. So sind es in den ersten beiden Lebensjahren vor allem Bewegungsdrang und natürliche Neugier, die zu Haushaltsunfällen wie Vergiftungen, Verbrühungen, Verätzungen und Stürzen führen. Wenn sich mit etwa vier, fünf Jahren der kindliche Aktionsradius erweitert, verlagern sich die Unfälle zunehmend vom häuslichen Bereich hin in die Freizeit- und Sportaktivitäten, bei denen es vor allem zu Stürzen und Zusammenstößen kommt. Mit dem Schulalter nehmen schließlich die Verkehrsunfälle den ersten Rang ein.
Wichtig zu tun – Hinweise & Tipps zur Unfallverhütung
Etwa 60 bis 80 Prozent aller Unfälle im Kindesalter lassen sich nach Expertenmeinung durch die Kenntnis möglicher Unfallursachen, ein entsprechendes Gefahrenbewusststein und technische Sicherheitsvorkehrungen vermeiden:
- Machen Sie Kinder frühzeitig auf Gefahren aufmerksam, auch wenn sie dies nicht gleich verstehen.
- Bereits im Säuglingsalter bieten Strukturen und Routinen im Alltag Orientierung und Halt. Im Kleinkindalter helfen klare und nachvollziehbare Regeln und Grenzen, sich zurechtzufinden
und so manches Verbot leichter zu befolgen. - Nutzen Sie Schutzvorkehrungen. Seien Sie konsequent, wenn es darum geht, Kinder im Auto zu sichern oder sie beim Radfahren nur mit Helm losfahren zu lassen.
- Fördern Sie die Selbständigkeit des Kindes, indem Sie es in seiner Eigenaktivität unterstützen. Versuchen Sie, seine Bedürfnisse nach Eigenständigkeit wie auch gleichzeitig nach Schutz und Hilfe so gut wie möglich miteinander zu verbinden.
Sicherheit beginnt in den eigenen vier Wänden
- Sorgen Sie in allen Räumen für eine gute Beleuchtung, auch Lichtschalter sollten für Kinder leicht zu erreichen sein.
- Zumindest im Kinderzimmer sollten harte Bodenmaterialien abgedämpft werden. Teppiche sollten auf einer rutschfesten Unterlage liegen und keine Stolpergefahr bilden.
- Verschüttetes immer gleich aufwischen, um ein Ausrutschenzu verhindern.
- Nichts auf dem Boden herumliegen lassen.
- Defekte Geräte, Stecker und Kabel schnellstmöglich austauschen.
- Steckdosen mit Kindersicherungen versehen.
- Kinder besser aus Plastikbechern trinken lassen.
- Glastüren mit deutlichen Klebesymbolen auf Augenhöhe der Kinder sichtbar machen, idealerweise eine Splitterschutzfolie aufbringen.
Bewegungssicherheit hilft Risiken vermindern
Vielerorts fehlt es an geschützten Freiflächen, auf denen sich Kinder sicher austoben können. Wohnungen sind oft zu klein und immer mehr Kinder verbringen bereits früh viel Zeit mit Fernsehen und Videospielen. Dies führt dazu, dass viele Kinder heutzutage körperlich unterfordert sind, sich ungeschickt bewegen und bereits bei der Einschulung Auffälligkeiten in ihrer Motorik zeigen. Doch Bewegungsmangel beeinflusst nicht nur die motorische Entwicklung eines Kindes, er wirkt sich auch auf die gesamte kindliche Entwicklung aus und gilt als Ursache für eine erhöhte Unfallgefahr. Kinder brauchen also Bewegungserfahrungen, nur so können sie ihren Körper beherrschen lernen und Möglichkeiten wie Grenzen herausfinden:
- Schon Babys brauchen Bewegungsfreiheit: Legen Sie es auf dem Boden auf die Krabbeldecke, damit es ausreichendstrampeln kann.
- Kinder benötigen Raum und Gegebenheiten, um ihre Beweglichkeit ausleben, trainieren und verbessern zu können. Suchen Sie nach Möglichkeiten, bei denen Ihr Kind diesem Bedürfnis nachkommen kann, z.B. auf dem Kinderspielplatz, im Garten oder Sportverein.
- Keine Angst vor Schrammen! Helfen Sie Ihrem Kind nicht zu viel und stehen Sie nur bereit für den Fall, dass es gefährlich werden könnte.
Besonders Kleinkinder und Kinder im Kindergartenalter brauchen jede Menge Erfahrungen im Klettern und Balancieren. Hierdurch werden sie immer geschickter und fallen viel seltener
als allzu behütete Kinder.
Richtig helfen:
Im entscheidenden Augenblick das Richtige tun Bei aller Vorsicht und Vorsorge: Ein Notfall ist immer möglich und leider nie völlig auszuschließen. In diesen Momenten kommt es darauf an, Erste Hilfe zu leisten und die erforderlichen Schritte einzuleiten, um Weiteres zu verhüten. Oberstes Gebot bei allen Unfällen ist dabei Ruhe und Besonnenheit, auch wenn das besonders beim eigenen Kind leichter gesagt als getan ist. Doch häufig sorgt schon ein beruhigendes Einwirken auf das Kind für eine Verbesserung. Wenn es die Situation erfordert, ist aber schnelles Handeln gefordert. Bei Herz- und Atemstillstand müssen Sie daher immer sofort den Notarzt rufen und direkt mit den Sofortmaßnahmen (Mund-zu-Nase-Beatmung und Herzmassage) beginnen. Die Notrufnummer zur nächsten Rettungsleitstelle ist dabei immer die auch über ein Handy kostenlose 112.
