Alzheimer
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Die zehn häufigsten Irrtümer über diese Krankheit
Irrtum „Meine Mutter ist an Alzheimer gestorben, da wird es mich bestimmt auch treffen.“
Die Alzheimer Demenz ist nur zu einem sehr geringen Prozentsatz (unter 5 Prozent) familiär vererblich. Insofern muss ich noch lange keine Alzheimer Demenz entwickeln, „nur“ weil z. B. meine Mutter daran erkrankt ist.
Allerdings ist mein Risiko – davon unabhängig – umso höher, je
älter ich bin und je mehr zusätzliche Risikofaktoren ich mitbringe. Zu den Risikofaktoren zählen mangelnde Bewegung, Fehlernährung, passives Sozialverhalten sowie viele internistische Risiko-
faktoren (hoher Blutdruck, Diabetes, starkes Übergewicht, hohes
Cholesterin etc.).
Eine Ausnahme macht die Frühform von Alzheimer, die sogenannte „präsenile Alzheimer Demenz“. Sie tritt schon in relativ jungen Jahren auf (deutlich vor der klassischen Altersgrenze ab ca. 65 Jahren) und verläuft oft schneller und aggressiver. Häufen sich in einer Familie relativ jung betroffene Alzheimerfälle, so ist eine deutlich erhöhte erbliche Belastung von ca. 40 Prozent gegeben.
Irrtum „Gegen Alzheimer ist eh’ kein Kraut gewachsen, dagegen kann ich nichts tun.“
Es gibt keine wirklich gesicherten Erkenntnisse über eine sinnvolle Prophylaxe, die definitiv Alzheimer verhindern kann – wohl aber sehr viele wichtige Hinweise. Ratsam erscheint in jedem Fall eine gesunde Lebensführung, d. h. körperliche und geistige Aktivität, gesunde Ernährung (Stichwort Mittelmeerkost) und eine positive soziale Einbindung.
Die zusätzliche Einnahme von Vitamin E in Verbindung mit Vitamin C wird von Wissenschaftlern unterschiedlich bewertet – schaden kann sie jedenfalls nicht! Auch Alkohol in geringen Mengen scheint eine leicht schützende Wirkung zu haben, wie dies auch in Zusammenhang mit manch anderen Erkrankungen gilt.
Viele weitere Maßnahmen und Dinge geistern durch die Boulevardpresse (grünen Tee und Kaffee trinken, nicht in der Nähe von Hochspannungsleitungen leben, Stress vermeiden, nicht alleine
leben und vieles mehr …). Für alle diese Hinweise gibt es kleinere und größere Studien als Hintergrund, die aber oft genug interessengesteuert sind und sehr oft auch viel zu isoliert betrachtet werden. Hier ist sicher Vorsicht vor allzuviel Leichtgläubigkeit geboten!
Irrtum
„Alzheimer ist nicht schlimm, die Betroffenen merken ja gar nichts davon!“
Menschen mit einer Alzheimer Demenz spüren besonders in der Anfangsphase sehr deutlich, dass mit ihnen „etwas nicht mehr stimmt“. Meistens können und wollen sie ihre Veränderungen aber nicht nach außen zeigen und benennen.
Alzheimer macht den meisten Menschen zunächst einmal viel Angst und stellt eine große Bedrohung dar. Außerdem erleben die Betroffenen viele Versagensängste und ein zunehmendes Scheitern im Alltag. Typisch ist, dass die Krankheitsanzeichen verdrängt und bemäntelt werden, weil die Betroffenen Angst vor Verurteilung, Ausgrenzung und Entmündigung haben.
Erst in sehr fortgeschrittenem Stadium kann man von der „Gnade des Vergessens“ sprechen – bis dahin gilt: Menschen mit Alzheimer erleben ihre Einschränkungen sehr wohl und auch sehr schmerzhaft, auch wenn sie das nicht nach außen darstellen. Sie brauchen daher sehr viel Verständnis, Wohlwollen und Taktgefühl sowie Respekt ihrer Mitmenschen.
Und insgesamt gilt der schöne Satz: „Das Herz wird nicht dement“! Das bedeutet, dass Menschen mit Alzheimer bis zuletzt gefühlsmäßig ansprechbar und erreichbar sind, auch wenn Worte längst versagen.
Irrtum
„Eine Diagnose ist unnötig, man kann ja sowieso nicht helfen.“
Eine möglichst frühe und möglichst differenzierte Diagnose ist von größter Bedeutung: Zum einen gibt es heilbare Formen von Demenzerkrankungen, die man abklären und ausschließen muss. Zum anderen gibt eine eindeutige Diagnose einfach Sicherheit und ermöglicht klare Weichenstellungen (medikamentöse Behandlung, weitere Lebensplanung, erforderliche Veränderungen im häuslichen Alltag etc.)
Nicht jede Gedächtnisstörung muss gleich eine Demenzerkrankung bzw. die Alzheimer Krankheit bedeuten. Auffälligkeiten sollten jedoch weder verharmlost noch überdramatisiert werden. Klarheit bringt nur eine gesicherte Diagnose.
Zuständig sind hier
- Neurologen/Psychiater
- gegebenenfalls auch spezialisierte Allgemeinärzte
- in schwierigeren Fällen auch die „Gedächtnissprechstunden“ bzw. Memory-Kliniken, z. B. an neurologischen Kliniken (zu finden auf der Homepage der Alzheimer Gesellschaft Baden-Württemberg e. v. www.alzheimer-bw.de unter „Hilfe vor Ort“)
Grundsätzlich gibt es medikamentöse und nicht medikamentöse Therapieansätze
- Die medikamentöse Behandlung beschränkt sich nach dem bisherigen Stand der Forschung leider nur auf Medikamente, die den weiteren geistigen Abbau im Verlauf der Krankheit für eine Weile hinauszögern bzw. verlangsamen können. Eine Heilung ist bisher noch nicht möglich.
- Daneben lassen sich natürlich Begleitsymptome der Krankheit wie Depression oder Aggression medikamentös beeinflussen. Hier sollte aber immer erst sichergestellt werden, dass die auffälligen oder schwierigen Verhaltensweisen des Kranken nicht aus einem unangemessenen Umgang mit ihm bzw. einem ungünstigen Lebensumfeld resultieren.
- Im nicht medikamentösen Bereich gibt es mittlerweile unzählige Therapieformen, welche die Krankheit positiv beeinflussen und die Lebensqualität des Erkrankten steigern können. Sie tragen alle dem Umstand Rechnung, dass demenzkranke Menschen mit fortschreitender Erkrankung immer mehr über das Gefühl und über die Sinne anzusprechen sind.
An vorderster Stelle sind hier zu nennen
- integrative Validation (wertschätzender Umgang, Ansprache über Gefühle)
- Selbsterhaltungstherapie (Aufrechterhalten und Fördern von noch vorhandenen Fähigkeiten, Stärkung des Selbstwertgefühls)
- Milieutherapie (Anpassung des Umfeldes an die Bedürfnisse des demenzkranken Menschen)
- biographieorientiertes Arbeiten und Erinnerungspflege
- Musik- und Kunsttherapie sowie
- Beschäftigungs- und Ergotherapie
