Brustkrebs

Fortschritte in Diagnose und Therapie

Brustkrebs ist mit etwa 55.000 Neuerkrankungen jährlich die häufigste Krebserkrankung von Frauen. Obwohl bei Diagnose und Behandlung große Fortschritte erzielt wurden, hat die Erkrankung nichts von ihrem Schrecken verloren. Wie Senologen, so heißen die Brustkrebsexperten unter den Medizinern, bei ihrem Brustkrebskongress dieses Jahr in Lübeck erläuterten, ist die Sterblichkeit in den vergangenen 15 Jahren kontinuierlich gesunken. Inzwischen tritt bei mehr als 80 % der Frauen fünf Jahre nach der Diagnose kein erneuter Brustkrebs auf; sie gelten im medizinischen Sinne als geheilt. Verantwortlich für diese hoffnungsvolle Entwicklung sind bessere Früherkennungs- und Untersuchungsmethoden, neue Therapieverfahren und die Behandlung in zertifizierten Brustzentren.

Mammographie-Screening

Derzeit wird ein flächendeckendes Programm zur Früherkennung von Brustkrebs, das sogenannte Mammographie-Screening, in Deutschland eingeführt. Frauen zwischen 50 und 69 Jahren werden alle zwei Jahre zu einer freiwilligen und kostenfreien Röntgenuntersuchung der Brust eingeladen. Ziel ist es, Brustkrebs in einem frühen Stadium zu erkennen. Denn je eher ein Mammakarzinom, so nennen Ärzte den Brustkrebs, erkannt wird, desto größer sind die Heilungschancen.

Operation

Wichtigste Behandlungsmethode ist nach wie vor die Operation. Brustkrebsoperationen können heute immer schonender durchgeführt werden. Denn in 70 bis 80 % der Fälle wird brusterhaltend operiert. Dies gelingt vor allem dann, wenn vor der Operation eine Chemotherapie durchgeführt wurde, die den Tumor verkleinert. Auch auf die Entfernung aller Lymphknoten in der benachbarten Achselhöhle, die bei vielen Frauen Schmerzen und Bewegungseinschränkungen verursacht, kann heute dank einer speziellen Technik, der Wächterlymphknotentechnik, vielfach verzichtet werden.

Strahlentherapie

Die Strahlentherapie, die sich einer Operation anschließt, hat nach Meinung vieler Experten erheblich an Bedeutung gewonnen. Neue Gerätetechniken ermöglichen präzisere und schonendere Bestrahlungen. In einigen Fällen kann auf die sechswöchige Bestrahlung der ganzen Brust zugunsten einer einwöchigen Teilbrustbestrahlung verzichtet werden. In der Erprobung befinden sich außerdem Verfahren wie die interstitielle Brachytherapie, eine örtliche Bestrahlung mit winzigen Metallimplantaten, oder die intraoperative Bestrahlung, die eine Nachbestrahlung gänzlich überflüssig machen soll.

Medikamentöse Therapie

Auch bei der medikamentösen Therapie hat es große Fortschritte gegeben: So gibt es mittlerweile Präparate, die gezielt in den Tumorstoffwechsel eingreifen können. Antikörper erkennen bestimmte Signale von Krebszellen und aktivieren das Immunsystem, das die Krebszellen zerstören soll. Damit leben behandelte Frauen länger und haben seltener Rückfälle, wie große Studien belegt haben. Inzwischen ist der Wirkstoff auch für die frühe Behandlung zugelassen. Leider kann diese Methode nur bei wenigen Brustkrebs-Formen mit Erfolg eingesetzt werden.

Ähnlich zielstrebig wirkt ein anderer Ansatz, bei dem das Tumorgewebe von der Blutversorgung abgeschnitten wird. Der von Medizinern benutze Fachausdruck lautet Anti-Angiogenese. Erprobt werden jetzt auch Medikamente, die beide Ansätze miteinander kombinieren. In großen Studien wird gerade die langfristige Wirksamkeit und Sicherheit der neuen Medikamente untersucht. Alle modernen Diagnose- und Therapieverfahren kommen in zertifizierten Brustzentren zur Anwendung.

In Deutschland gibt es vor allem in Universitätskliniken und größeren Krankenhäusern inzwischen rund 200 Einrichtungen, die von der Deutschen Krebsgesellschaft und der Deutschen Gesellschaft für Senologie ein Gütesiegel für gute Behandlung erhalten haben.