Gesundheit ist nicht unmännlich!

Gesundheit ist nicht unmännlich! Never-ending story?

Männergesundheit

Das sagt Frank Busemann, Gewinner des olympischen Zehnkampf-Silbers in Atlanta und Sportler des Jahres 1996. Heute zeigt der ehemalige Top-Athlet sein Herz für die Männergesundheit.

Männer sind echte Gesundheitsmuffel. Was läuft falsch?

Männer betreiben Reparaturmedizin. Der überwiegende Teil schleppt sich erst dann zum Arzt, wenn es gar nicht mehr anders geht. Viel zu selten lassen verantwortungsbewusste Männer ihren Gesundheitszustand oder mögliche Risiken abklären. Das ist absolut leichtsinnig – auch gegenüber der eigenen Familie und den Freunden. Leider widmen wir Männer unseren Autos wesentlich mehr Aufmerksamkeit.

Männer sollten also öfter mal einen Boxenstopp beim Arzt einlegen?

Natürlich geht niemand wirklich gern zum Arzt. Als Leistungssportler mit großem Verletzungspech habe ich mich über jede Minute beim Sportmediziner geärgert. Heute sehe ich das anders: Der frühzeitige Besuch beim Arzt gehört für mich zum Leben dazu. Wir Männer müssen begreifen, dass unser Körper unser wichtigstes Kapital ist und ihn entsprechend pflegen. Dies gilt nicht nur für Spitzensportler…

… sondern auch für Otto Normalverbraucher. Warum?

Die Zahlen sind deutlich: Herz-Kreislauf-Krankheiten, Stoffwechselstörungen und Krebserkrankungen nehmen deutlich zu. Darmkrebs steht an zweiter Stelle der krebsbedingten Todesursachen und an Prostatakarzinomen versterben jährlich etwa 11.000 Deutsche. Gegen all diese Krankheiten kann man Vorsorgeuntersuchungen in Anspruch nehmen. Je früher ein gefährlicher Tumor erkannt wird, desto größer ist die Chance auf Heilung.

Aber da müsste Man(n) ziemlich häufig den Arzt aufsuchen…

… aber eine Untersuchung dauert nur wenige Minuten! Vielleicht ist es möglich, mehrere Tests auf einmal machen zu lassen, dann hat man erst mal wieder Ruhe. Schließlich sollen Männer auch in Zukunft vor allem Spaß am Leben haben und nicht die meiste Zeit beim Arzt verbringen.

Wo sehen Sie abseits von Früherkennung weitere gesundheitliche Probleme für Männer?

Männer definieren sich selten über innere Werte, sondern eher über den Beruf oder sportliche Wettkämpfe. Dabei lassen sie ihre wichtigste Ressource – ihren Körper – oft vollkommen außer Acht. Für viele Faktoren, die ihrer Gesundheit dauerhaft schaden, fehlt das Wahrnehmungsvermögen. Entweder haben sie das entsprechende Körpergefühl verloren oder die Wahrnehmungen werden massiv überlagert oder verdrängt.

Können Sie dafür ein Beispiel nennen?

In den vergangenen Jahren sanken die krankheitsbedingten Fehlzeiten auf neue Zwischentiefs. Dies ist aber nicht die Folge von gesünderen Arbeitnehmern, sondern dahinter versteckt sich sicher eher die Angst, den Arbeitsplatz zu verlieren. Viele Männer
schleppen sich lieber krank zur Arbeit, als zum Arzt zu gehen. Die aktuelle Wirtschaftsflaute wird diese Entwicklung wohl noch einmal verstärken.

Die Angst vor dem Verlust der Arbeit lässt sich aber nicht ohne Weiteres wegdiskutieren. Ist es dann nicht normal, dass Männer über ihre Grenzen gehen?

Auf Dauer leidet auch die Psyche unter solchen Bedingungen und kann zusätzlich körperliche Störungen auslösen. Die heutigen Arbeitsanforderungen gehen vielfach über die zeitlichen, körperlichen und psychischen Grenzen. Mittel- und langfristig kann dieser Teufelskreis zu einem frühzeitigen Verlust der Arbeitskraft führen.

Wie können Männer einen Ausgleich zu ihrer Arbeit finden?

Zunächst muss zwischen dem überaktiven und dem überpassiven Mann unterschieden werden. Überaktive Männer versuchen, ihren Stress zum Beispiel mit extremen sportlichen Leistungen
abzubauen. Das führt dann erst Recht zur Überbelastung. Dagegen reagiert der passive Mann auf Stress mit Untätigkeit. Nach der Arbeit legt er sich auf die Couch und isst eine Fertigpizza. Hier gilt es, einen gesunden Mittelweg zu finden.

Wie sollte der gesunde Mittelweg aussehen?

Als ehemaliger Profi halte ich einen dosierten, gesundheitsfördernden Sport für sinnvoll. Aber auch hier gilt: Bevor man sich nach längerer Zeit wieder sportlich betätigt, sollte der Körper auf bisher unentdeckte Erkrankungen untersucht werden.