Schweinegrippe! Lassen Sie sich (nicht) impfen!?

Die Schweinegrippe ist in aller Munde. Bereits zu einem frühen Zeitpunkt hat das Robert Koch-Institut mit zahlreichen Informationen zum Schutz gegen die Infektion die Öffentlichkeit informiert. Jetzt stehen viele Versicherte vor der Frage, ob sie auch die Angebote wahrnehmen sollen, sich gegen die Schweinegrippe
impfen zu lassen. Denn eine Verpflichtung zur Impfung besteht nicht. Die BKK VICTORIA-D.A.S. möchte und kann ihren Versicherten die Entscheidung zur Impfung nicht abnehmen. Dennoch gibt es Fakten, welche die Entscheidung dafür oder dagegen durchaus leichter machen.

Peter Lex, Redakteur der meine gesundzeit, sprach mit Herrn Dr. Arera, Leitender Betriebsarzt der ERGO.

meine gesundzeit:

Herr Dr. Arera, unsere Versicherten fragen sich zurzeit, ob sie die Angebote zur Impfung gegen die Schweinegrippe wahrnehmen sollen? Wie kann man ihnen in dieser Frage helfen?

Dr. Arera:

Wie bei allen Impfungen hängt die Entscheidung von der individuellen Risikoabschätzung ab, die jeder für sich treffen
muss. Zu dieser Nutzen-Risiko-Abschätzung vergleicht jeder Mensch für sich die Haupt- und Nebenwirkung der Impfung mit dem Erkrankungsrisiko und deren Folgen.

meine gesundzeit:

Die notwendigen Informationen zur Impfung in den Medien sind noch widersprüchlich.

Dr. Arera:

Das Bundesgesundheitsministerium geht in seinen Bedarfsplanungen
davon aus, dass mindestens 40 % der Bevölkerung die Impfung in Anspruch nehmen und in vielen Fällen eine einzige Impfung gegen die Neue Grippe ausreichen wird. Man betont, dass die drei in der EU zugelassenen Impfstoffe gegen die Neue Grippe A (H1N1) geprüft, wirksam und sicher sind. Damit tritt das Ministerium Äußerungen einiger Mediziner entgegen, wonach Impfstoffe mit Zusatz- und Konservierungsstoffen vermehrt unerwünschte Nebeneffekte auslösen könnten. Dies sei weder durch die Datenlage noch durch die wissenschaftliche Expertise gestützt.
Hierzu muss man anmerken, dass Impfstoffe mit verstärkenden Zusatzstoffen – sogenannten Adjuvanzien – im Vergleich zu herkömmlichen Impfstoffen ein verbreitertes Wirkungsspektrum haben. Vermutlich gewährleisten sie sogar einen Schutz, wenn sich das neue Grippevirus A (H1N1) ändern würde. Die Arzneimittelkommission der deutschen Ärzteschaft hat bei der Impfung für Kinder und Schwangere gleichwohl Vorbehalte und empfiehlt Impfstoffe ohne Verstärker zu verwenden. Die Zulassung
eines solchen Impfstoffs in Europa wird allerdings zu einem späteren Zeitpunkt erwartet.

meine gesundzeit:

Welche Informationen gibt es zum Erkrankungsrisiko?

Dr. Arera:

Das entscheidende Risiko besteht darin, dass der Schweinegrippeerreger sich zu einem späteren Zeitpunkt verändern
kann. Das muss nicht zwangläufig passieren, aber eben diese Wahrscheinlichkeit ist nicht ausreichend einzuschätzen. Sollten dann noch nicht geimpfte Personen von dem gefährlicheren Schweine grippeerreger infiziert werden, tragen sie das damit einhergehende größere gesundheitliche Risiko. Bei einer frühzeitigen Impfung hingegen ist von einem ausreichenden
Schutz selbst gegen einen sich verändernden Schweinegrippeerreger auszugehen.

meine gesundzeit:

Welche Möglichkeiten haben unsere Versicherten, wenn sie sich impfen lassen möchten?

Dr. Arera:

Das Angebot an die Mitarbeiter der ERGO, sich bei den Betriebsärzten impfen zu lassen, ist noch auf die normale
Grippeimpfung beschränkt. Über die Verteilung des Impfstoffs gegen die Schweinegrippe hingegen entscheiden die Gesundheitsministerien der Länder Das ist nach Bundesländern verschieden. Und in den normalen Arzneimittelhandel gelangt der Impfstoff bisher nicht.

meine gesundzeit:

Also kann man nicht einfach zum Hausarzt gehen und sich kurzer Hand eine Spritze mit der Impfung geben lassen.

Dr. Arera:

Zunächst sollen nur Risikopatienten geimpft werden. Nach dem aktuellen Stand sind dazu vorgesehen:

  1. Beschäftigte im Gesundheitsdienst und Wohlfahrtspflege mit Kontakt zu Patienten und infektiösem Material.
  2. Personen ab einem Alter von sechs Monaten mit erhöhter gesundheitlicher Gefährdung infolge eines Grundleidens, also chronische Kranke.
  3. und Schwangere ab dem vierten Monat.

Aus logistischen Gründen erhalten alle anderen Patienten mit einigen Wochen Verzögerung die Möglichkeit zur Impfung.

Bundesweit werden die Impfstoffe von den Gesundheitsämtern an Ärzte verteilt. Achten Sie auf die lokalen Pressemeldungen zu zentralen Impfstellen der Gesundheitsämter. Auch viele niedergelassene Ärzte wurden an den Impfmaßnahmen beteiligt und führen Impfsprechstunden durch. Ansprechpartner finden Sie bundesweit über folgenden Link im Internet.

Die Betriebsärzte der ERGO werden auch eine Impfung anbieten. Der Zeitpunkt steht wegen der Verteilung des Impfstoffes über die Gesundheitsämter noch nicht fest.

meine gesundzeit:

Was empfehlen Sie unseren Versicherten?

Dr. Arera:

Beobachten Sie die weitere Entwicklung und sprechen Sie eventuell mit ihrem Hausarzt oder dem Gesundheitsamt und treffen Sie dann Ihre Entscheidung.

meine gesundzeit:

Herr Dr. Arera, ich danke für das Gespräch. Die Termine und unterschiedlichen Anlaufstellen für die Impfmaßnahmen der einzelnen Bundesländer werden wir im Internetauftritt der BKK
VICTORIA-D.A.S. veröffentlichen.