Homosexuell … na und!
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Homosexuell … na und!
Immer häufiger sind Schwule und Lesben in den Medien präsent. In Serien, Filmen und Werbungen sind sie zu sehen. Also könnte man denken, dass in der modernen Gesellschaft Schwule und Lesben vollkommen akzeptiert sind. Könnte man denken! Denn auch in der jetzigen Zeit gibt es noch viele Vorbehalte gegenüber Schwulen und Lesben, die aus althergebrachten und falschen Denkweisen herrühren und meist reine Klisches sind.
Jugendsprache
In der aktuellen Jugendsprache findet sich das Wort „schwul“ vermehrt als Synonym für “scheiße” und als Gegenstück zum Wort „geil“.
Eine allgemeine Äußerung der Unzufriedenheit wird zum Beispiel mit „Ist das wieder schwul!“ ausgedrückt oder einige regen sich konkret über eine „schwule Mathearbeit“ auf. Diese Äußerungen werden nicht immer bewusst geäußert, sondern liegen in der Lust der Jugend an der Provokation begründet , wo wertende Begriffe oft aus dem Bereich der Sexualität kommen. Wird die Frage „Bist du schwul?“ wirklich einmal mit ja beantwortet, kann dies zu anfänglicher Verwirrung führen, weil es meist unerwartet kommt. Die dauernde Verwendung dieser negativen Bedeutung kann sich hemmend auf die Persönlichkeitsentwicklung des Betroffenen auswirken, der sich ungern einer Freundin oder einem Freund anvertraut. Das macht vor allem für viele junge Schwule und Lesben das Coming-out noch schwerer, als es schon ist. Denn ein sensibleres Thema für alle Menschen als die eigene Sexualität gibt es nicht.
Coming-out
Ein Coming-out verläuft nicht immer gleich, da es verschiedene Arten gibt. Jeder Mensch ist unterschiedlich und wächst in einem anderen Umfeld auf. Aber dennoch läuft es nicht so ab, dass jemand beim Bäcker steht und sagt: „Fünf Brötchen, ich bin schwul und eine Nussecke bitte!“ Was man aber allgemein sagen kann, ist, dass es zwei Arten von Coming-outs gibt, die durchlaufen werden. Als Erstes kommt das innere Coming-out.
Inneres Coming-out
Dies ist der wichtigste Prozess, denn das innere Coming-out ist die Findungsphase. Diese findet meist in der Pubertät statt. Es gibt natürlich einige, die erst später diese Gefühle entde-cken bzw. sie zulassen. Aber die Pubertät ist nun einmal die Zeit der verrücktspielenden Hormone und plötzlich merkt man, dass man sich doch eher dem eigenen Geschlecht zugeneigt fühlt. Dann kommt es zu Versuchen, diese Gefühle zu verdrängen. Ausgelöst werden sie meist durch das Umfeld. Man wächst nun einmal in einer heterosexuellen Welt auf. Und in dieser Welt wird einem nun einmal etwas anderes vorgelebt, als was man selbst fühlt. Und der erste Gedanke ist: „Schwul? Ich? Nein, niemals!“ Bei einigen kommt der Moment, an dem man merkt, dass diese Gefühle nicht unterdrückt werden können und dass sie auch nicht von allein verschwinden, schnell; bei anderen dauert es dann doch einige Zeit. Man sollte sich selbst niemals unter Druck setzen. Aber man muss sich bewusst machen, dass das Schwul- oder Lesbischsein schließlich kein grippaler Infekt ist, der durch Medikamente geheilt werden kann. Es gibt keine und es braucht auch keine Heilung.
Wenn man am Ende dieses Weges – frei nach Klaus Wowereit – zu sich sagen kann „Ich bin schwul und das ist gut so!“ hat man seine sexuelle Identität akzeptiert und das innere Coming-out bravourös bestanden.
Äußeres Coming-out
Nachdem man für sich das Schwul- bzw. Lesbischsein akzeptiert hat, kommt nun die nächste Hürde. Wie sage ich es den anderen? Sage ich es überhaupt?
Da der erste Schritt des inneren Coming-outs nun meist in der Pubertät durchlaufen wird, sind Eltern die erste Anlaufstelle für das äußere Coming-out. Man fragt sich: „Werden sie es verstehen? Lieben sie mich dann noch immer?“ Die Reaktionen der Eltern fallen natürlich unterschiedlich aus. Dafür muss man auch Verständnis haben, da die Offenbarung des eigenen Kindes für sie ziemlich unvorbereitet kommt. Daher sollte man die erste Reaktion nicht überbewerten. Aber auch später reagieren Eltern fassungslos bzw. fragend: „Was habe ich falsch gemacht? Habe ich sie zu sehr verhätschelt?“
Diese Fragen zielen auf die Schuld ab. Wer hat Schuld? Fürs Schwul- bzw. Lesbischsein gibt es keine Schuld, denn Schuld würde bedeuten, dass es etwas Schlechtes wäre. Dies ist jedoch vehement zu verneinen. Reagieren Eltern weiter abweisend, hat dies oft nichts mit Schwulen oder Lesben zu tun, sondern mit den Eltern selbst.
Freundinnen und Freunde können beim Coming-out eine Schlüsselrolle spielen. Einerseits fühlt man sich ihnen verbunden und hat Vertrauen zu ihnen, andererseits ist die Beziehung nicht so eng, wie sie es oft zu den Eltern ist. Das hat den Vorteil, dass man mit Freundinnen/Freunden unbefangener über schwierige Themen sprechen kann. Diese Akzeptanz liegt auch höher, als es bei den Eltern der Fall ist.
Eigene Familie
Einer der heterosexuellen Lebenspläne, mit denen jeder schon früh konfrontiert wird, ist die Gründung einer eigenen Familie. Schwule und Lesben müssen sich im Laufe des Coming-outs davon verabschieden, eine klassische Familie gründen zu können. Jedenfalls im herkömmlichen Sinne: verlieben, heiraten, Kinder bekommen. Das kann Gefühle von Angst, Trauer und Enttäuschung hervorrufen. Manche leiden auch darunter, dass sie als „familienloser“ Mensch aus der heterosexuellen Norm herausfallen. Sie fühlen sich ausgegrenzt oder haben Angst, im Alter allein zu sein.
Diese Angst ist vollkommen unbegründet, da eine homosexuelle Partnerschaft nicht gleich zum Scheitern verurteilt ist. An einer Beziehung muss man – homo- oder heterosexuell – gleichermaßen arbeiten. Seit 2001 gibt es nun die eingetragene Lebenspartnerschaft – ein bürokratischer Ausdruck für „ihr dürft aufs Standesamt“, eine Ehe ist es aber nicht.
Viele Rechte und Pflichten haben sich seitdem der Ehe angepasst. So kann auch eine Adoption vorgenommen werden – leider bisher nur von einem Teil –, wodurch auch eine Familie entsteht. Aber da kommt es natürlich auf jeden selber an, was er oder sie unter Familie versteht. Ist es die enge Bindung zu den Freunden oder doch die Beziehung und die gemeinsame Erziehung eines Kindes. Jeder Mensch hat seine eigenen Vorstellungen vom Glück und die sollte man auch verwirklichen dürfen.
Leider sehen viele auch noch heute Homosexualität als Schwäche an. Aber was gibt es Stärkeres, als zu sich selbst zu stehen.
